Alberta

Glühende Hitze die von dem flirrenden Asphalt, den brummenden Autos um uns herum und dem Motor unseres Vans auf uns brennt. Die Sonne strahlt vom stahlblauen Himmel, schon den ganzen Tag, doch nun stehen wir in der Rush Hour und der Fahrtwind weht uns nicht mehr um die Nase und kühlt unsere Köpfe. Wir sind dummerweise direkt zum Feierabendverkehr am Freitag Nachmittag nach Calgary rein gefahren. Verzweifelt sprechen wir unserem Van gute Worte zu und hoffen das er nicht in den verstopften Strassen liegen bleibt. Die Flucht ist der Provincial Park Heritage. Denn durch Calgary zieht sich ein Netz aus kleinen Flüssen, die Mitten in der Stadt einen See bilden. Obwohl die Millionenstadt Calgary, die grösste Stadt der Provinz Alberta ist, hat diese abgesehen vom dichten Citykern mit den über alles überragenden Wolkenkratzern, doch überraschend viel Ruhe und Natur zu bieten.
Der ganze Stolz der Cowboy-Stadt ist das alljährliche und weltberühmte Rodeo „Stampede“. Für diese Zeit werden hier die Cowboystiefel aufpoliert, die Hüte aus den Kartons genommen und die Gürtelschnallen zur Schau gestellt. Egal ob jung oder alt, Mann oder Frau hier wird jeder zum Cowboy. Das Spektakel wird von der Stampede Range höchst persönlich organisiert und durchgeführt. Alle Tiere kommen von dieser Range und es wird sehr auf das wohlergehen der Pferde, Ponys, Kälber und Bullen geachtet. Zwei Wochen lang werden Rodeos ausgetragen, um am Schluss den Besten Cowboy zu küren.


Dem Ruf der Wildnis folgend ist ein Besuch in den Nationalparks Banff und Jasper ein Muss. Schon bei der Anfahrt sieht man von Weitem die am Horizont ragenden Berge. Banff besticht mit dem Charme eines Bergdörfchens. Must see ist auf jeden Fall der Moraine Lake. Morgens früh um 6 wenn die aufgehende Sonne die Bergspitzen um dem blauen See herum orange färbt und die Stille nur durch das Gezwitscher der Vögel gestört wird, kann man den atemberaubenden Anblick genießen. Noch bevor die fotowütigen Touristen in den riesigen Bussen anrauchen und ein großes Getümmel rund um den See anbricht. Nach dem Sonnenaufgang und einem schnelle Frühstück entflohen wir dem Blitzlichtgewitter und machten uns auf den Weg den Pass Summit zu stürmen. Die Strecke führt uns auf schmalen Pfaden im Zickzack steil den Berg hinauf. Die Tiere waren überrascht so früh morgens schon Leuten zu begegnen, doch die kühle Luft und der Morgentau lockte sie trotzdem aus ihren Verstecken. Über Schnee- und Geröllfelder gelangt man auf den Pass und kann eine wunderschöne Aussicht genießen. Wer hier den Himmel anruft, führt ein Ortsgespräch. Bereits gegen 11 Uhr Vormittags war am Lake Louis die Hölle los und die Parkplätze platzen aus allen Nähten. Ungläubig schauten wir auf die Menschenmassen die sich um und auf dem See tummelten. Abermals nahmen wir unsere Beine in die Hand und entflohen den Massen so schnell es ging in Richtung der hoch gelegenen Teehäusern. Ein paar Kilometer steil Bergauf gibt es zwei urige Teehäuser, fern ab von all dem Gehetzte, denn die Meisten Besucher des Nationalparks wagen sich nicht auf die Wanderwege und bequemen sich höchstens ein paar Meter vom klimatisierten Auto bis an die Lookouts. Von den Teehäusern schlugen wir die Route zum Gletscher ein, dessen Schmelzwasser den unglaublich hellblau strahlenden Lake Louis füllt. Es ist zu verlocken rein zuspringen und ausgiebig in dem Wasser zu planschen, doch ein Finger im See reicht bereits um die Vorstellung über den Haufen zu werfen. 4 Grad sind dann noch eine Spur zu kalt.


Unsere erste face to face Begegnung mit einem Schwarzbären, hatten wir beim Abendessen im Campground. Zwar hatten wir schon einige Schwarzbären gesehen, doch wenn dann mal so ein Fellhaufen vor sich steht hat, ist es doch ein etwas anderes Gefühl, als ihn in sicherem Abstand zu wissen. Wir mussten wohl gut gekocht haben, zumindest dem Bär schien der Duft in die Nase zu steigen und so schlug er schnur stracks den Weg zu unserem Auto ein. Erst voller Aufregung ganz leise schlichen wir durch die Büsche und machten Fotos was die Kamera her gab, doch irgendwann wurde uns die Situation dann doch zu heiß und wir schafften den Topf ins Auto und haben dort in Sicherheit zu Abend gegessen. Der Parkranger kam schließlich und vermasselte dem Bären die Tour.


Die Icefield Parkroad mit ihren unzähligen Gletscher verbindet die beiden Nationalparks. Während man in Banff die Seen, Flüsse und Berge bewundert, so sieht man in Jasper sehr viel Wildlife, Canyons und Wasserfälle. Wir ließen es uns selbstverständlich nicht nehmen eine Höhenwanderung auf den Whisler zu machen. 1600 Höhenmeter an einem Tag waren fürs Erste genug und wir entschieden uns, am nächsten Tag eine kleine Pause einzulegen und unsere Muskeln in der heißen Therme Miette zu entspannen. Die Tage verfliegen und so bemerkten wir auch nicht, das wir in einer Woche über 160 Kilometer zu Fuß zurückgelegt haben.


Unser Fazit: beide Nationalparks sind sehr schön und haben ihre unterschiedlichen Reize. Man sollte sich vor jeder Wanderung erkundigen, ob die Wanderwege gerade von Bären genutzt werden und die vorgegebenen Gruppengröße beachten. Außerdem ist ein Bärenspray eine gute Investition.
Die darauf folgenden Tage verbrachten wir auf einer Organic Beef Farm bei den beiden Schweizern Sylvia und Toni. Diese waren gerade mitten im Heuen, leider machte das Wetter den beiden einen Strich durch die Rechnung. So blieb Zeit für den unverhofften Besuch 🙂 Wir konnten uns auf die Quats schwingen und die verstreuten Kuhherden im Busch aufsuchen.Die Farm ansehen und die Kühe, Kälber und Bullen betrachten. Es fand sich sogar Zeit unseren selbstgebauten Backofen am Lagerfeuer zu testen. An dieser Stellen nochmals vielen vielen Dank für eure Gastfreundschaft, die tollen Geschichten übers Reisen, die Tipps, das gute Essen und die tollen Abende.


7 Gedanken zu “Alberta

  1. Hoi ihr zwei, ganz toller Bericht und super Bilder. Liz hat schon gesagt, dass ich mich jetzt aber anstrengen muss, um fotografisch mitzuhalten. Ich wūnsche euch noch eine tolle Zeit und viele spannende Erlebnisse. Franz
    PS: Kommen diese Kommentare überhaupt an?

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      1. Hi, entschuldigt die späte Antwort. Wir sind nun in Vancouver und fahren morgen nach Vancouver Island, ab dem 15. machen wir uns auf den Weg in die Staaten. Und selbst ? Und macht weiter so, die Fotos und Texte sind toll 🙂

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    1. Mit ein paar Wehwehchen kommen wir durchs Land er hält sich aber tapfer😉
      Südafrika steht auch noch auf unserer Liste aber zur einer anderen Zeit und mit einem anderen Auto 😂
      Viel Spaß in der Sonne

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