Alaska

 

Alaska bedeutet übersetzt „Great Land“ und das ist es definitiv auch. Hier wo Wildnis noch wirkliche Wildnis ist, können Bären, Elche, Wölfe und Co. in ihrem natürlichem Lebensraum ohne Einfluss der Menschen leben. Das Gefühl, das einem überkommt, wenn man auf einem der zahlreichen Berge steht und so weit das Auge reicht unberührte Natur erblickt, ist unbezahlbar schön.
Anfangs noch verwundert über die vielen Einschusslöcher in ungelogen jedem Verkehrsschild, wird spätestens beim ersten Kontakt mit Alaskanern klar warum. Egal ob zum Einkaufen, Jagen, Wandern oder Fischen, hier haben viele eine Waffe dabei. Für uns ist diese Tatsache ungewohnt und etwas verstörend. Nach einem Monat in Alaska sollte man glauben, ich habe mich an diese Tatsache gewohnt aber nein beim Anblick einer Waffe am Gürtel bin ich immer noch sprachlos. Sprachlos sind auch die Einheimischen, die voller Entsetzen feststellen, dass wir keine Waffe bei uns tragen. „Wie verteidigt ihr euch wenn euch jemand angreift oder wenn ein Bär kommt?“ Die Antwort „Bärenspray“ löst jedes mal nur Gelächter aus.

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Das kleine Dorf Chicken ist das erste und vorerst auch einzige Anzeichen von Zivilisation auf der amerikanischen Seite nach der Grenze. Mit stolzen 27 Einwohnern die allerdings nur den Sommer über in Chicken wohnen, wird ein Restaurant, ein paar „Cafes“ und ein Soveniershop geboten. Das Dorf hat seinen Namen einem berühmten Schneehuhn zu verdanken. Bei der Gründung war man sich sofort einig, das Dorf wird nach dem Schneehuhn Ptarmigan benannt. Nur leider wusste keiner so genau wie man Ptarmigan schreibt. Kurzer Hand nannten sie ihr kleines Dorf einfach kurz und knapp Chicken.

Die Stadt Nordpol und der Nikolaus. Der wohnt dort, ja kein Scherz die Stadt gibt es wirklich und der Nikolaus wohnt dort auch wirklich. Besucher dürfen hier in eine Bilderbuchlandschaft eintauchen und den Nikolaus besuchen. Es ist ein kleines Spektakel, dass einem sofort zurück in die Kindheit versetzt.

Immer weiter nördlich Richtung Beringsee, führt der Dalton Highway entlang der 1.287 Kilometer langen Ölpipeline Alaskas. Die Strasse wechselt von geteert, auf „huch bin ich falsch? Hier gibt es keine Strasse mehr“ auf Schotterweg und matschig Piste. Hier hoch fährt eigentlich nur derjenige, der unbedingt muss… ach und Touristen wie wir, die ihr Auto mal so richtig quälen und schmutzig machen wollen. Unser roter T4 hatte ein ganz schönes Stück harte Arbeit geleistet, wurde kurzzeitig auf hellbraun, matt „umlackiert“ und das unter nicht gerade schönen Bedingungen. Denn wenn die Reservelampe schon seit einigen Kilometern blinkt und einfach keine Tankstelle in Sicht ist, wird jeder erklummene Hügel ein Erfolg. Das Ziel dieser Tour ist ein wunderschönes Holzschild und der Erkenntnis am nördlichsten Punkt seiner Reise angekommen zu sein. Der Arctic Circle wird von einer sehr weitläufigen Landschaft umgeben. Die Nadelbäume sind wegen der Permafrostgrenze eher klein und dürr und würden leider einen etwas jämmerlichen Weihnachtsbaum abgeben. Wie betrunken stehen die Bäume krumm und schief auf den Hügeln, hier her kommt auch sein Spitzname „drunken forest“, besoffene Wälder. Wüsste man es nicht besser, man würde glauben die Bäume hätten die ganze Nacht durchgezecht. Die Landschaft wird außerdem von majestätischen Felsen und der wunderschönen pinken Feuerblume geprägt. Fireweed wächst als erste Pflanze nach einem Waldbrand und benötigt zum Leben nicht sehr viel.

Fairbanks ist die grösste Stadt im Norden Alaskas und die Heimat von den Ureinwohnern Amerikas, Athabaskan People. Ebenso sind die Schlittenhunde hier beheimatet. Vieles dreht sich um die Schlittenfahrt. Fairbanks ist nicht nur das Tor zur Wildnis, hier kommen auch die besten Schlittenhunde und ihre Führer her.

Denali Nationalpark schafft es schnell, sich in die Herzen der Besucher zu schleichen. Der Park ist für Besucher nur zu einem kleinen Stück mit dem privaten PKW zugänglich. Doch auch dieses Terrain bietet tolle Wanderungen zu Gipfeln und Seen an. Die Pfade teilt man sich mit Elchen, Bären und unzähligen Erdhörnchen. Möchte man weiter in den Nationalspark, so kann man dies mit Bustouren machen. Vier Stunden Busfahrt auf holprigen Strassen und man hat nur einen Bruchteil des Parkes gesehen. Lediglich 92 Meilen sind im gesamten Nationalpark erschlossen, der Rest ist Natur und gehört den Tieren. Das Highlight des Denali Nationalparks ist der atemberaubende Mount McKinley. Mit seinen 6.168 Meter überragt der grösste Berg Amerikas die Landschaft. Hat man die gewaltigen Felswände einmal betrachtet, wird der Blick gefesselt und man schafft es kaum sich davon abzuwenden. Der dringende Wünsch diesen Berg zu besteigen kommt in mir auf, mit schlappen 15.000 Dollar und einem Bergführer wäre ich dabei 😀 ich bin fleißig am sparen. Wenn der Busfahrer mitten auf der Strasse anhält und zum wiederholten Male aufgeregt bestätigt, was für ein Glück wir doch haben, den prächtigen Berg ohne Wolken und sogar mit Sonnenschein zu erleben, wünscht man sich der Tag würde nie enden. Auf der Rückfahrt lassen wir uns irgendwo an einem Flussbett aussetzen und wandern auf eigene Faust durch die Landschaft. Denali Nationalpark ist einer der wenigen Parks, in denen man seine eigenen Wanderungen machen darf. Hier gibt es keine Trampelpfade oder Wegweiser, hier geht man seinen eignen Weg. Um wieder zurück in die Zivilisation zu gelangen, stellt man sich einfach an die einzig Strasse und wartet bis ein Bus vorbei kommt der einen zurück mitnimmt.
In Denali haben wir unseren ersten Grizzly gesehen. Eine Mama mit ihrem Jungtier am Beeren fressen. Auf unserer Wanderung haben wir eine nette Bekanntschaft mit einem Karibu gemacht. Karibus haben schlechte Augen, hebt man die Hände über den Kopf so kommen sie neugierig auf einen zu und wollen mal sehen wer dort steht. Erst als das Karibu ein paar Meter vor uns stehen bleibt, merkt es, dass ich kein Geweih sondern meine Arme in die Luft strecke. Nach kurzer Musterung des Gegenübers, ging dann wieder jeder seinen eigenen Weg. Wir müssen jedes Mal lachen wenn wir ein Karibu sehen. Seine Schritte erinnern an ein Kleinkind, das viel zu große Schuhe an hat und nicht richtig darin gehen kann. An den steilen Berghängen tummeln sich die Dallsheeps. Sie grasen die Berge ab und sind immer auf der suche nach einem besonders gutem Kraut. In schwindelerregenden Höhen mit für uns halsbrecherischen Schritten, spazieren die Schafe gemütlich hin und her.

Anchorage ist die berühmteste Stadt Alaskas und liegt ganz im Süden an der Küste. Die Mischung aus Berglandschaft und Meer ist etwas ganz besonderes. Die Berge im Rücken und das Meer bis zum Horizont lädt zum Träumen ein. In Anchorage haben wir die beste Pizza seit dem Start unserer Reise gegessen. Im Moose Tooth ist von 11 Uhr morgens durchgehend bis 12 Uhr nachts die Hölle los und das zu Recht. Jeder will eine der geilsten Pizzas dieser Welt haben. Besucht man Anchorage ohne eine Pizza bei Moose Tooth gegessen zu haben, so hat man was verpasst. Der Name der Pizzeria kommt nicht von ungefähr. In Anchorage lebt der Mensch Tür an Baum mit den „Stadt Elchen“. Die Elche leben schon seit eh und je in diesem Gebiet und haben sich auch von der Stadt nicht vertreiben lassen. So ist es nicht weiter verwunderlich, das man in seinem Garten, auf der Hauptstrasse oder im Stadtpark den ein oder anderen Elch antrifft.

Unterhalb von Anchorage schlängeln sich unzählige Flüsse durch die Berglandschaft mit Schnee bedeckten Gipfeln. Diese Flüsse sind das Mekka der Angler und lässt jedes Anglerherz höher schlagen. Denn die Flüsse füllen sich jeden Sommer aufs Neue mit den verschiedenen Lachsarten, die zu ihren Laichplätzen an den Quellen wollen. Somit reihen sich die Fliegenfischer an und in den Flüssen und versuchen ihr Glück auf den begehrtesten aller Lachse. Der Name verrät es bereits, King Salmon hat das rotest, schmackhaftest Fleisch und ist der Fisch mit dem größten Kämpfergeist. Am südlichen Zipfel der Halbinsel hat sich das kleine Fischerdörfchen Homer angesiedelt. Hier ist nicht nur der Ansturm auf den Lachs groß. Das Dörfchen vervierfacht jeden Sommer seine Einwohnerzahl durch die Angelsaison des Hailbuts. Sieht man mal von den unzähligen Fischerbötchen ab, tummeln sich Wale und Seeotter an der Küste vor den Gletschern im Meer herum.

Valdez ist ein wunderschönes Fischerdörfchen das umgeben ist von blauen Gletschern. Nach knapp drei Monaten mit schönem Wetter ist es nur fair auch mal Regen zu erwischen… ja und so regnet und regnet und regnet es ohne aufzuhören. Das komplette Fjord und die Berg werden von dickem Nebel überzogen, was eine mystische Stimmung verbreitet. Es ist gerade Lachszeit ganz zu Freude von David, den Seelöwen, den Bären und den Möven. Abermillionen Lachse die vom Meer die Flüsse hoch zum Laichen wollen, sammeln sich entlang der Küste. Das reinste Masaka geht los, sobald die Ebbe einsetzt. Die armen Fischen sind hilflos im Schlamm und in den kleinen Rinnsalen die von den Flüssen übrig geblieben sind gefangen, während sich die Bären an den Eiern im Bauch und die Möven an den Augen der Fische bedienen. Nur die Seelöwen und David haben etwas mehr erarmen mit den Lachsen. Die beide fangen die Lachse während der Flut, wo sie noch so halbwegs abhauen können.

Ich hätte es nie für möglich gehalten, doch nach unzähligen Lachssteaks, Nachsnudeln, Lachsauflauf, Lachs auf dem Feuer, Lachs mit und ohne Sosse… nach unzähligen Malzeiten mit dem köstlichen, fantastisch schmeckenden roten Fisch haben wir ihn sowas von satt.

Unsere Backkünste auf dem Lagerfeuer, haben wir in den letzten Monaten mehr als perfektioniert. Egal ob naturbelassen oder mit kleinen Spezials für den Gaumen (wie auf dem Bild mit Oliven und Tomaten), es ist jedes Mal ein Genuss. Wer sich jetzt Wundert warum wir diese Mühen auf uns nehmen, hat noch nie versucht in Nordamerika gutes Brot zu kaufen.


5 Gedanken zu “Alaska

  1. Hallo ihr Lieben
    Ganz tolle Bilder und Berichte.
    Auch kulinarisch möchte man gern mit dabei sein.
    Weiterhin viele schöne Erlebnisse und Abenteuer.
    Gute Reise 🙂 Liz

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  2. Hey Hey ihr zwei lieben!!! Ich genieße euer Abenteuer sehr! Die Bilder gefallen mir am besten;-) richtig gute Schnappschüsse! David, dir verdanke ich es auch, dass ich vor Jahren mit dem reisen angefangen habe. Und nun lässt mich das genauso wenig los wie dich. Ich freue mich sehr für euch mit! Schön, dass ihr dieses Abenteuer zu zweit meistert. Bleibt genauso neugierig und genießet eure gemeinsame Zeit.
    „A Journey is best measured in Friends, rather than miles“
    Ich wünsche euch vielewundervolle Momente und tolle Menschen auf eurem Weg!

    Grüße aus Deutschland,

    Daniel Rajkovic (doney)
    Daniel Rajkovic

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