British Columbia

Beautiful BC, wunderschönes British Columbia auch hier macht der Slogan der Provinz alle Ehre und verspricht nicht zu viel. Kaum sind wir über die Grenze nach Kanada gefahren, sehen wir wieder die ersten Tiere am Straßenrand. Entweder es liegt am Wetter oder an den strengeren Jagdgesetzen Kanadas. BC gilt als Südeuropa von Kanada. Viel Sonne, trocken, warm, heiß, verdammt heiß wenn man die Quadratkilometer großen Waldbrände berücksichtigt.

Carcross ist die wohl kleinste Wüste der Welt. Man ist erst mal etwas verdutzt zwischen Bergen, Wäldern und Seen auf einmal in einer Wüste zu stehen aber der Charme dieses kleinen Spektakels nimmt uns sehr schnell ein. Die Füße in den warmen Wüstensand, oben auf einer Dünne und den Blick auf Schneeberge und einen riesigen See gerichtet, so etwas gibt es kein zweites Mal. Das Dorf gleich neben der Wüste besteht aus zwei Strassen, und 10 Souvenirshops. Der Ort ist Dank der Indianer ein Touristenmagnet. Hier kann man viel über die Indianer, ihre Geschichte, Bräuche und Rituale lernen.


Es zieht uns gleich an die Küste nach Prince Rupert. Leider haben wir in der kleinen Hafenstadt kein Glück und der Nebel hängt tief über den Dächern und Schiffen. Trotz des schlechten Wetters waren die Leute sehr gut drauf und so haben wir guten Kaffee und leckeres Gebäck in den kleinen Cafes, direkt am Wasser mit Blick auf die Schiffe, genossen. Nach einem Tag schlemmen und faulenzen erforschten wir den Regenwald. Prince Rupert ist nicht nur eine berühmte Anlaufstelle für alle die mit dem Schiff nach Alaska wollen, sondern auch berühmt für seine Vegetation. Nach den vielen eher dünnen und kleinen Bäumen in Alaska kommen uns die Bäume an der Küste Kanadas riesig vor. Alles scheint hier grün zu leuchten. Das Moos bedeckt jeden Zentimeter des Bodens und der Farn breitet sich majestätisch aus. Weit oben gibt es kaum ein durch dringen der Sonnenstrahlen, so dicht ist das Blätterdach der riesigen Bäume.

Leider ist unser vorderes Radlager im Eimer und die nächste Werkstatt ist glatte 700 Kilometer entfernt. Nach einer Nerven aufreibenden Fahrt quer durch die Provinz, kommen wir, Gott sei Dank mit noch allen vier Rädern, in Prince George bei der Werkstatt an. Das Auto scheint uns hier in guten Händen zu sein und so gehen wir in die Stadt in eine deutsche Bäckerei. Hell auf begeistert über das gute Brot decken wir uns für die nächsten Tage ein.

Bakersville ist eine historische Goldgräberstadt, die vor einiger Zeit wieder komplett wahrheitsgetreu aufgebaut und rekonstruiert wurde. Mühelos kann der Besucher des Städtchens in die damalige Zeit eintauchen. Häuser, Schausteller und die damals üblichen Lebensmittel und Waren lassen keinen Zweifel an der wunderbar inszenierten Illusion. Die „Bewohner“ erklären mit voller Hingabe ihre Tätigkeit und geben einen Einblick in das damalige Leben.


Der Weg nach Clearwater führt uns an der Stadt Williams Lake vorbei und ist etwas gespenstisch. Die Waldbrände kamen so nahe an die Stadt heran, das diese komplett evakuiert wurde. Die Menschen sind nun zurück in ihre Häuser gekehrt, doch beim Durchfahren bleibt das bedrückende Gefühl, dass das Feuer hinterlassen hat. Verkohlte Baumstämme und schwarze Erde, mehr ist nicht mehr zu sehen. Im Nationalpark von Clearwater sind alle Wanderwege gesperrt. Durch die Brände ist das Risiko für die Wanderer im Backcountry einfach zu groß. Schnell kann sich der Wind drehen und die Feuer in Richtung des Nationalparks bringen. Lediglich die Lookouts, die mit dem Auto zu erreichen sind, sind für die Parkbesucher geöffnet. Eine neue Erfahrung für uns, mal zu den „Auto-Touristen“ zu gehören. An den Parkplatz fahren, 300 Meter zum Lookout laufen, Fotos knipsen, den Ausblick genießen und ab zurück zum Auto. Das ist dann doch nichts für uns und beim nächsten Nationalpark wandern wir lieber wieder fern ab vom Rummel und erkunden die Natur.


Nach einem wunderschönen Abend am Strand West Vancouvers stehen wir am nächsten Tag bereits um 4:30 Uhr an den Docks zur Fähre nach Vancouver Island. Die Überfahrt geht recht fix und so sind wir schon um 8 Uhr auf der „kleinen Insel“ vor Vancouver, die im übrigen so groß ist, wie die Schweiz. Die prunkvolle Stadt Victoria ist die Hauptstadt der Provinz Britisch Columbia. Auf dem Weg zur andere Seite der Insel, kommen wir in einem kleinen Dörfchen vorbei mit einem etwas sonderbaren Markt. Hier hausen Ziegen auf den mit Grass bewachsenen Dächern.

Weiter führt uns der kurvige Weg quer über die Insel an uralten riesigen Mammutbäumen vorbei. Die größten Bäume wurden zur Zeit des Goldrausches gefällt und zum Bau der großen Dredges verwendet. Hier und da findet man dennoch einige Bäume die sich nicht so leicht umarmen lassen.

Wir haben ihn gefunden, den perfekten Schlafplatz, an dem perfekten Fluss, mit den perfekten Steinen zum Sünnelä und den perfekten kleinen Pools. Alles scheint perfekt zu sein und zufrieden liegen wir nachts in unserem Bett, bis plötzlich die Maus kommt und die schlaflose Nacht mit sich bringt. David bemerkt sie als Erster. Schlaftrunken tue ich es noch mit einem „wirf die Maus raus“ ab, doch dann werde auch ich wach und sehe sie frech auf dem Armaturenbrett hin und her tänzeln. Es geht nicht lange und eine zweite Maus taucht auf dem Armaturenbrett auf. Genug ist genug wir legen uns auf die Lauer und befördern die kleinen Mäuschen wieder aus dem Auto raus. Kaum machen wir das Licht aus und legen uns wieder hin, springt David auf. Sie ist wieder da! Die Maus hat diesmal auch gleich die Abkürzung über Davids Kopf genommen. Also legen wir uns erneut mit Taschenlampe und Kochlöffel auf die Lauer. Die Maus wenig beeindruckt erkundet das Auto. Nun haben auch die Freunde der Maus unser Auto entdeckt und flitzen quietschend auf dem Autodach herum. Tribel tribel tribel, fiiips und wieder tribel tribel tribel. Die Mäuseparty ist in vollem Gange. Unter unserem Bett, in den Schränken und vor allem in unserer Essensschublade geht die Post ab. Hilflos müssen wir zuhören wie sich die Mausezähnchen an die Essensverpackungen machen und diese aufknabbern. Alles klopfen und rütteln nützt nichts. Bei Sonnenaufgang ist der Spuk vorbei und die Mäuse verschwinden allmählich wieder. Todmüde klappen wir das Bett zurück und begutachten die Schäden der letzten Nacht. Mein heißgeliebtes Müsli und Davids Kekse mussten leiden, ansonsten haben sie nichts angerührt. Wer hätte gedacht das so kleine niedliche Mäuse mit ihren großen Ohren, so einen Lärm machen können. Wir ergreifen die Flucht von dem nun nicht mehr so perfekten Ort. In Tofino angekommen, bewaffnen wir uns mit Bauschaum, Duck-tape und Mäusefallen. Sicher ist sicher man weiß nie. Auf dem Campingplatz haben wir das komplette Auto auseinander genommen, geputzt und Mäuse-Sicher gemacht. Es hat sich seither nie wieder eine Maus in unser Auto getraut 🙂

Cool, cooler, Tofino. Das Mecka der Kanadischen Surfer. Hier spürt man die Szene bei jedem Schritt und Atemzug. Ein Familienausflug in Tofino führt Sonntags nicht in den Park, nein hier geht die ganze Familie an den Strand. Mit Sack und Pack und Surfbrett, werfen sich groß und klein, jung und alt in die Wetsuits und stürzen sich mit ihren Brettern in die Wellen. Platz ist am Long Beach genug. Die Wellen brechen am anderthalb Kilometer langen Sandstrand. Die Zeit am Strand vergeht für uns wie im Flug. Den Blick vorne auf die dramatisch brechenden Wellen und im Rücken den Ruhe ausstrahlenden uralten Regenwald mit den riesigen Bäumen.


Nach Vancouver Island geht es zurück nach Whistler. Wir treffen dort meine Tante und meinen Onkel aus der Schweiz, die gerade einen kleinen Canadatrip machen. Meine Tante weiß nichts von ihrem Glück und so ist das Wiedersehen umso emotionaler. Überraschung geglückt!

Dieses alpin Dorf wurde nach den Murmeltieren, die hier leben benannt. In Whistler wurden 2010 die Olympischen Winterspiele ausgetragen. Nach drei Monaten tauschen wir das erste Mal unseren Bus, gegen ein Hotelzimmer am wunderschönen Nita Lake, ein. Nach so langer Zeit auf 1,10 x 1,95 Meter, in einem Kingsizebett zu übernachten, ist ein richtig komisches Gefühl. Was sollen wir nur mit so viel Platz anstellen? 😀 Ausgeschlafen starten wir den nächsten Tag mit einem ausgiebigen super leckeren Frühstück und anschließendem Stand-up Paddling. Später geht es dann auf den Berg und wir können mal wieder die Natur bei einer Richtigen Wanderung genießen. Leider sind auch hier die Auswirkungen der Waldbrände sehr stark zu spüren. Dicker Rauch versperrt uns die Sicht und kratzt in der Lunge. Highlight des Tages war die Peak to Peak Fahrt mit der Seilbahn. Wir schweben 300 Meter hoch zwischen den beiden hochalpinen Gipfeln. Eine Strecke von 4,4 Kilometer bei der sich die Tannenwipfel, Bären und Hirsche mal von oben betrachten lassen. Ein Gefühl das nah ans Fliegen kommt, definitiv nur etwas für Schwindelfreie.


Vancouver ist mit Toronto, meiner Meinung nach, die schönste Stadt Kanadas. Vancouver trumpft eindeutig mit seiner atemberaubenden Lage auf. Der Ozean mit seinen Fähren, die zerklüfteten Uferlinien der dutzenden grünen Inselchen, die schneebedeckten Berge die am Horizont glitzern und das alles nur einen Steinwurf vom Naturparadies Whistler entfernt. Die Weltmetropole hat so vieles zu entdecken und so schwingen wir vier uns kurzer Hand auf die gemieteten Fahrräder und düsen im Standley Park herum. Ein paar Anlaufschwierigkeiten mit den E-Bikes, die beinahe zur Karambolage geführt haben, sind schnell überwunden. Wir radeln die 8 Kilometer lange Ufermauer rund um den Park herum. Der prunkvolle 404 Hektar große Standley Park bietet nicht nur riesige grüne Wiesen mit Bäumen und Blumen, hier findet man auch eine kleine Ausstellung der verschiedenen Totempfähle, Sandstrände die zum Zeit verbringen einladen und Uferpromenaden mit Cafes. Nach einem kurzen Shoppingtrip in der Robson Street genießen wir das außergewöhnlichste und beste Sushi Kanadas. Für David und mich ist es eine ganz neue Erfahrung, denn hier werden nicht die schwarzen Röllchen serviert, die man sonst so kennt. Auch mit der Speisekarte sind wir total überfordert. Gut übernimmt mein Onkel das Zepter und stellt uns gekonnt ein leckeres und spannendes Menü zusammen. Ein Genuss auf einer anderen Ebene sag ich hierzu nur! Wer also mal in Vancouver vorbei kommt, unbedingt im Miku die Ebi Oshi und die Salmon Oshi bestellen, genießen und staunen. Leider ist man danach für jeglichen anderen rohen Fisch versaut aber das ist ein Kompromiss der sich lohnt.

Am nächsten Tag geht es an den Hafen. Reges treiben auf dem Wasser herrscht, denn die Wasserflugzeuge kreuzen sich mit den Fähren und Tourbooten. Erkundet man zu Fuß die Stadt, sollte man unbedingt Gastown mit den vielen Cafes und Restaurants besuchen. Es ist wirklich für jeden was dabei und so finden wir uns bereits nach dem Frühstück wieder beim Kaffee trinken und Organic Gebäck naschen, in einem kleinen aber niedlichem Cafe wieder. Das Schlemmen geht abends dann bei authentischen kanadischen Burgern weiter.

@ Eric und Anita: es waren drei wirklich wundervolle, spannende, lustige und unglaublich schöne Tage mit euch. Der Urlaub vom Urlaub hat uns gut getan. Vielen vielen Dank für alles was ihr uns ermöglicht habt aber vor allem Danke das ihr uns besucht habt.

Da leider nun das zweite Radlager unseres Busses kaputt ist, müssen wir noch ein paar Tage in Vancouver bleiben, naja es gibt eindeutig schlimmeres ;D Wir hoffen jedoch inständig, das die Pechsträhne mit dem Bus nun aufhört. Neben den beiden Radlagern gab es noch das eint oder andere Wehwehchen.

Sonne, Wasser, Boote und einen riesigen Markt. Was will FRAU nur mehr? Total verzaubert von den vielen verschiedenen Früchten schlendern wir durch die Stände. Der Granville Market lässt keine Wünsche offen. Es gibt einfach alles. Obst und Gemüse Stände reihen sich an kleine Bäckereien und Patisserien, dicht neben den langen Käse- und Wurstständen. Nützliches und unnützliches, Schmuck, Kochlöffel, automatische Tomatenschneider, automatischer Apfelschäler, eingemachte Gurken… Natürlich gibt es auch eine Halle voll mit den verschiedensten Möglichkeiten sich zu verpflegen. Deutsche Bratwurst, indisches Curry, griechische Spezialitäten, Burger, wir wissen gar nicht was zuerst probieren.

American Football, das ist ein Spektakel für sich. Wir fühlen uns so richtig einheimisch, als wir mit Nachos und Hotdog auf der Tribüne sitzen und die Vancouver BC Lions lautstark anfeuern. Zu meinem großen Enttäuschen, gibt es noch kein Eishockeyspiel der Vancouver Canucks. Drückt mir die Daumen das wir in Amerika mehr Glück haben.

Auch nachts ist Vancouver ein Highlight. Sobald es dunkelt wird, leuchten tausende von Lichtern, so macht die Skyline dem schönsten Sternenhimmel Konkurrenz.


Dank Marc von Adrian Import Car Service, sind wir nun wieder startklar und düsen mit einem Zwischenstopp in Okanagan Valley bei Tom und Hanna in die Staaten Richtung Yellowstone Nationalpark.

 

Good bye Canada, wir hatten eine super Zeit und haben uns ein kleines bisschen in das Land verliebt.


2 Gedanken zu “British Columbia

  1. Wieder mal ein ganz toller Beitrag von euch………..wow
    Ich freue mich immer wenn ich dadurch ein bisschen in Gedanken im Urlaub bin:-)
    Weiterhin alles Gute und eine tolle Reise.
    Viele Grüsse Liz

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