Baja California

Der Horror aller Reisender, Schlaflose Nächte, Gruselgeschichten… nein ganz so schlimm war es nicht, dennoch haben wir uns schon Gedanken über den Grenzübergang nach Mexiko gemacht. Man hört dann doch die ein oder andere Story die einen erschreckt. Am großen Tag kam aber dann doch alles ganz anders. Nervös fuhren wir auf die Grenze zu, fuhren durch die Grenze und waren dann ohne ein Wort hinter der Grenze in Mexiko. Das wars? Keine Fragen, Kontrollen oder Infos? Naja wir waren nun in Mexiko yuhu aber wir haben keinen Ausreisestemple der USA, geschweige denn einen Einreisestempel von Mexiko. Wir kümmerten uns erst mal um unsere Aufenthaltsgenehmigung und die Verzollung des Autos. Was sich nicht so einfach herausstellte, denn in Tijuana herrscht Chaos und niemand spricht Englisch. Der Vormittag ging für die Einreise drauf, wir haben es schlussendlich tatsächlich geschafft. Für die richtige Ausreise stellten wir uns einfach in die Einreiseschlang nach Amerika am Zoll an und verwirrten die Beamten ganz schön. Zu guter letzt rissen wir unser Visa einfach selbst aus unserem Pass und warfen es in einen Briefkasten am Zoll, Daumendrücken das dass so auch funktioniert.

Im Norden von Baja California gibt es außer Wüste und riesige Kakten nicht sehr viel und so machten wir uns, auf 1000 km und ein paar Fahrtage gefasst. Erster Stop ein kleines Dorf an der Westküste, Ensenada. Die Strände sind voll mit heißen Quelle. Man muss nur am Strand entlang spazieren und dort buddeln, wo der Sand heiß ist oder kleine Bläschen aufsteigen. In Bahia de los Angeles überredete ein schöner Strand und dunkelblaues Wasser uns dann ein wenig zu bleiben. An diesem Strand tummelten sich hunderte von Rochen und man muss höllisch aufpassen nicht aus versehen auf einen zu treten. Der letzte Stop vor Baja Calefornia Sur war Guerrero Negro. Ein Dorf, das nur zwischen Dezember und März aufblüht, wenn die Wale an die Küste kommen. Bei uns war es wie ausgestorben.

Weißer Sandstrand, kristallklares hellblaues Wasser und kleine Hüttchen, eine Bucht wie aus dem Reisekatalog. Kurz nach Mulege fanden wir genau diese Bucht und David trat auf die Bremsen. Hier in Playa Santispac, blieben wir eine Woche und taten einfach mal gar nichts. Wir haben sehr nette Nachbarn. Heidi und Tom aus San Diego. Beide waren schon einmal in Deutschland und planen den nächsten Trip nach Deutschland nächstes Jahr. Wir hoffen sehr sie kommen uns besuchen. Tom hat unglaublich viel „Spielzeug“ dabei. Standupboard, Schlauchboot, Motorrad, Fahrräder, er hat einfach alles und wir dürfen alles benutzen. So vertreiben wir uns die Zeit mit Standup paddling, Schnorcheln und Bootstouren. Am zweiten Abend trafen wir unsere neuen Travelbuddys am Lagerfeuer. Lindsey und José aus Ohio. Wir verstehen uns von anhieb super und sind auf einer Wellenlänge. Da die beiden so ziemlich den gleichen Plan haben wie wir, entschließen wir uns, zusammen durch Mexiko zu reisen. In Santispac ist eigentlich nichts los, ab und an kommen Einheimische um etwas zu verkaufen, so auch an jenem Tag, an dem David freudestrahlend mit einem Speer ankam. Er buchte mit José eine Bootstour mit Sperrfischen. Es war ein aufregender Tag auf dem Meer. Man kann sich drum streiten, waren die Fische einfach zu schnell oder die Jungs mit dem Sperr zu langsam. José und David fingen keinen Fisch, dafür holte uns der Fischer ein paar Muscheln vom Grund, die er uns dann roh mit etwas Limone und Salsa servierte. Das Glibberzeug war nichts für mich aber David schmeckte es. Am letzten Tag wollten wir gerade aufbrechen, als uns der Kanadier Scott auf seinen Katamaran einlud. Ein unvergesslicher Tag. Wir kannten Scott überhaupt nicht, er lud uns einfach auf sein Boot ein, weil er und seine Frau gerne Gesellschaft haben. Wir segelten ein paar Buchten entlang, gingen schnorcheln und hatten Lunch. Beeindruckt kamen wir am Abend dann wieder in unserer Bucht an. Boah was für ein Erlebnis, mit dem Katamaran an der Küste von Baja California unterwegs zu sein.

In La Paz trafen wir uns wieder mit Lindsey & José. Unser Camp für die nächsten Tage konnte sich sehen lassen. Balandra Beach, kleine Bucht mit weißem Sandstrand und Palapas. Die gleiche Idee hatten noch ein paar andere Traveller und so verbrachten wir einen sehr amüsanten Abend mit einer Familie die mit einem Pickup reist, einem Pärchen mit einem Motorrad aus Brasilien, Lindsey und José mit ihrem Dachzelt und wir mit unserem Bus. Wir saßen alle beisammen am Essen, als plötzlich zwei Polizeiautos heran rasten. Die Polizisten in voller Ausrüstung und Maschinengewehr im Anschlag, stiegen aus den Autos und umkreisten uns. Kurz sagte niemand etwas. Das Entsetzen stand uns allen in den Gesichtern. Ein Polizist leuchtete mit seiner Taschenlampe unser Camp ab. Ein andere gruschtelte und hob eine Tüte in die Luft. Happy Día de los Muertos! Die Tüte war voll mit Süßigkeiten und jeder durfte sich etwas aussuchen. Nach 15 Minuten war der Spuk vorbei und die Polizei rauschte wieder ab. Immer noch sagte niemand ein Wort. Der Brasilianer, der ziemlich bleich geworden ist, meinte nur ganz leise: Shit wenn dir das in Brasilien passiert bist du tot, die Polizei verschenkt dort niemals Süßigkeiten. Dieses Kommentar ließ alle wieder aufatmen und wir lachten den ganzen Abend über diese kuriose Situation. Das ist wirklich noch keinem passiert. Día de los Muertos ist einer der höchsten Feiertage in Mexiko. Die Mexikaner feiern zwei Wochen lang den Besuch ihrer Verstorbenen. Und feiern heißt in Mexiko wirklich feiern. Bunte Kostüme, unglaublich viel Essen und Schnaps. Hier wird der Tod so geehrt wie bei uns daheim eine Hochzeit. In der Zeit des Día de los Muerto kommen die Seelen der Verstorbenen zu Besuch und das muss schließlich so schön wie nur möglich gestaltet werden. Ich finde diesen Gedanken sehr schön! Am 1. November ist der Abend der Abende und wir mischen uns bei einem Festival unter die Lokals, um den Días de Muertos so intensiv und echt zu feiern, wie nur möglich. Wir erfüllten uns einen riesen Traum und buchten eine Tour um mit den Walhaien zu tauchen. Das Gefühl, das einem überkommt, wenn man in das Wasser springt und diesen sanften Riesen vor sich sieht, ist unbeschreiblich. Ein wunderschönes Tier, das trotz seiner Größe eher gemütlich im Wasser schwebt. Ich war so aufgeregt, dass ich kurzzeitig vergessen habe zu atmen. Wir können es nur jedem empfehlen, solltet ihr einmal die Chance haben mit diesen unglaublich tollen Tieren zu schwimmen, tut es. Ein Erlebnis, das ich zumindest niemals vergessen werde! (Video folgt, versprochen 🙂 ) Am nächsten machten wir einen Tagestrip in das Hippidorf Todos Santos. Eduardo der in La Paz lebt und dort einen genialen Surfshop hat, begleitet uns vier und stellt sich als, ein etwas anderer aber sehr authentischer und cooler Reiseführer, heraus. Das Dorf ist ein Traum, hier kann man leicht die Zeit vergessen. Strand, Sonne, Wellen, Bier, Tacos und schwups ist schon der Tag vorbei. Zu schnell vorbei und vor allem zu spät für unseren Zeitplan… Wir sollten nämlich am frühen Abend die gebuchte Fähre auf das Festland nehmen. Wir rasen zu Eduardo heim, stellen einen neuen Rekord im Duschen auf und hüpfen halb nackt und nass ins Auto, um doch noch die Fähre zu erwischen. Es war knapp, sehr knapp… Viva la Mexico 🙂


5 Gedanken zu “Baja California

  1. Etwas weiter südlich in Tepic war unsere Tochter Lisa Maria für ein Jahr im Schüleraustausch. Noch heute bestehen sehr enge Kontakte in diese Stadt. Falls gewünscht kann ich Kontaktadressen weiterleiten.

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  2. Hallo ihr beiden, Rita und Klaus aus Köln. Wir sind ja nicht mehr die jüngsten und verbringen ein paar Tage zu meinem 60igsten Geburtstag in Lissabon und hatten schon , nachdem die Prozedur für die visaaufnahme uns schon fast überfordert hat, mit dem Gedanken gespielt unser Projekt panamericana auf das nächste leben zu verschieben. Dann kommen aber immer eure netten Kommentare und wunderschönen Fotoserien und sagt „ihr zieht das durch“ euch alles Gute und Beste auf der weiteren Reise von Rita und Klaus die jetzt wieder Fahrenwoller🤗

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    1. Es ist nicht immer leicht… Ich verzweifel ab und an aber andere Länder andere Sitten 😁 wir können euch nur bestärken, macht es! Es lohnt sich auf jeden Fall. Jeder Tag ein neues Abenteuer und so viele tolle Dinge zu sehen 🌎

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