Oaxaca, Campeche

Vor uns lagen 5 Stunden Autofahrt, bis zu unserem nächsten Etappenziel. Es kam uns ewig vor, denn die Sonne brannte erbarmungslos vom Himmel und heizte unseren kleinen Bus so richtig auf. In Cholula angekommen, beschlossen wir uns die grösste Pyramide der Welt anzuschauen. Diese sollte gleich neben der Stadt sein, wir wunderten uns noch, das wir die Pyramide bei der Anfahrt gar nicht gesehen hatten. Der Eingang zu der Ausgrabungsstätte war ein schier nicht enden wollender Tunnel. Voller Erwartung traten wir ins Tageslicht und standen auf einem riesigen Rasen. Es hätte auch ein Fußballplatz sein können aber nein, hier standen wir auf der grössten Pyramide der Welt. Kein Scherz, man kann sie nur nicht sehen, weil sie mit Gras bedeckt ist. Wir kamen uns etwas verarscht vor und googleten gleich welche die grösste Pyramide der Welt ist. Wir erwarteten jetzt irgendeine in Ägypten, falsch es ist wirklich die Pyramide von Cholula. Die Pyramide war mit Gras bedeckt, so dachten die Spanier, die das Land damals eroberten, es sei nur ein Grashügel und bauten oben auf die Spitze eine Kirche. Als man Jahrzehnte später die Pyramide ausgraben wollte, mussten die Grabungen eingestellt werden, da die oben auf der Spitze thronende Kirche eingestürzt wäre. Nun gut, wir liefen auf dem Rasen und schauten uns den ein oder anderen Stein oder Mauer an, die herausragten. An einer Stelle waren Stufen freigelegt und wir stiegen hinauf. Glück im Unglück, wir waren zur rechten Zeit am rechten Ort und konnten die Voladores, die fliegenden Tänzer beobachten. Der Tanz der fliegenden Männer ist ein 1400 Jahre altes Ritual, dass zu Ehren der Fruchtbarkeits- und Frühlingsgötter aufgeführt wird. Abends gönnten wir uns eine Steinofenpizza auf dem Rooftop der Stadt. Gutes Essen, Sicht auf den brodelnden Vulkan Popocatépetl und ein kaltes Bier.

Oaxaca, die Stadt die garantiert jeder falsch ausspricht und die Heimatstadt der besten Tlyuda. Tlyuda ist eine Pizza mexikanischer Art. Der Boden ist ein großer, knuspriger Tortilla darauf wird ein Bohnenmus gestrichen und allerlei frische Leckereien wie Avocado, Tomaten und Salat darauf gelegt. Ich liebe Tlyudas und könnte sie wirklich jeden Tag essen. Wir schlenderten durch die wunderschöne Stadt auf der Suche nach den berühmten Wandmalereien, die in der ganzen Stadt verteilt sind. Leider werden die richtig Guten, ziemlich schnell von der Regierung wieder überstrichen. Durch die Malereien drücken viele Künstler ihre politische Einstellung aus und machen auf Missstände aufmerksam. Natürlich gibt es auch in Qaxaca eine Pyramide die man besuchen kann 🙂

Nach viel Inland und Städte können wir es kaum erwarten an den Strand zu kommen. Uns trennt eigentlich nur noch ein Berg. Ein Langer Weg der uns von über 3000 Meter Höhe runter zum Meer führt. Der Strand von Zipolite ist ein Traum. Wir parken unsere Camper direkt im Sand neben einer Palapa. Ein paar Unterkünfte, ein paar Strandbars und eine ziemlich verrückte Hippikommune. Das wars, sonst gibt es nichts in Zipolite. Genau das was wir gesucht haben. Wir genießen die riesen Wellen, den Sand und die atemberaubenden Sonnenuntergänge. Wenn der Sand zwischen deine Zehen rieselt, du einen kalten Cocktail schlürfst und das einzige was deine Ohren hören, das Rauschen der Wellen ist, dann kannst du dir sicher sein, du bist tiefen entspannt. Reisen ist auch mal stressig, wers glauben will oder nicht, aber die Zeit drängt und wir müssen schon nach einem Tag weiter an der Küste entlang Richtung Salina Cruz. Eigentlich nur ein kurzer Zwischenstop für ein Nachtlager, doch der Strandspaziergang wird ein Erlebnis, an das wir uns noch lange zurückerinnern werden. Am Strand trafen wir auf Einheimische, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Meeresschildkröten zu schützen. So holen sie die Eier aus dem Sand und warten bis die kleinen Schildkröten geschlüpft sind. Dann bringen sie diese wieder zurück an ihren Geburtsstrand und lassen sie am Strand frei. Die kleinen Raker sind im Ozean dann auf sich gestellt und müssen die Gefahren selbst meistern. Zumindest die Gefahren, die am Strand und in der Luft lauern, können ihnen die Einheimischen abnehmen. Das erste Mal in meinem Leben, halte ich eine so kleine Meeresschildkröte in meinen Händen. Jetzt ist der Panzer noch ganz weich aber bald wird er hart und schützt die Schildkröten ihr Leben lang vor Angreifern. Ein unglaublich schönes Gefühl.

Durch den Sumidero Canyon fließt der Rio Grande. An manchen Stellen überragen Felswände den Fluss bis zu 1000 Meter. Der Rio Grande ist das Zuhause für Krokodile und Schildkröten. Wir machten eine Tour mit einem Speedboat. Zwei Stunden lang rasten wir den Fluss hinauf, bis zu einer Staumauer. Der See vor der Mauer gilt, als der grösste Stausee Mexikos. Eine der schönsten Anfahrtsstellen war der „Weihnachtsbaum“. Ein Gebilde das mit den vielen moosbewachsenen Höhlen aussieht wie ein Tannenbaum.

Von San Christobal aus führt die Hauptstraße durch die Berge nach Palenque. Die sogenannte Strasse schmiegt sich dicht an den Berg und schlengelt sich durch kleine Dörfer. Die Schlaglöcher folgen direkt nach der abgerutschten Strasse und zwischen den tausenden kleinen oder auch großen Schwellen. Wir kriechen sozusagen über den Berg. Und dann passiert es. Vor uns auf der Strasse ein wilder Mob. Die Männer haben Nagelbretter auf die Strasse gelegt, an vorbeikommen ist nicht zu denken. Ein dicker Mann schmettert uns auf englisch „200 Peso“ entgegen und hält uns einen Zettel auf Spanisch hin. 200 Peso genau das würde ihm so passen, ich entschließe mich dazu zu diskutieren. Plötzlich kann der Herr kein Englisch mehr und auch auf Spanisch will er nicht wirklich antworten. „200 Peso“ bleibt alles was er sagt. Der Mob um uns herum wird langsam wütend. Immer mehr Männer umkreisen unser Auto. Bevor es eskaliert gibt David ihm die 200 Peso und wir dürfen passieren. Wir wussten das so etwas mal passieren würde aber ich ärger mich schon ein bisschen, wie dreist manche Menschen sind. Ohne weitere Zwischenfälle fahren wir auf den Parkplatz von Agua Azul. Cataratas de Agua Azul zu deutsch Wasserfälle des blauen Wassers, sind zu unserer Überraschung blaue Wasserfälle 😀 sieht hübsch aus aber eine ziemliche Touristenattraktion. Ein Tourbus nach dem anderen rollt an und wir entschließen uns an ein etwas abseits gelegenes Restaurant zu gehen, denn heute ist leider unser Abschied von den besten Travelbuddys die man sich vorstellen kann. Lindsey und José werden weiter nach Guatemala fahren und David und ich düsen nach Yucatan und dann weiter nach Belize.


Nun sind wir wieder alleine unterwegs. In Palenque schauen wir uns eine Maya Ruinen an. David und ich haben nun doch schon einige gesehen aber diese hier in Palenque ist ziemlich gut erhalten und der Dschungel wuchert langsam gefährlich nahe an die Ruinen heran. Unser absoluter Favorit.


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