Guatemala

Guatemala hat uns gleich mit seiner Hauptattraktion empfangen. Tikal ist eine der ältesten Maya Stätten, die Ruinen sind sehr gut erhalten und eingebettet im Dschungel. Um den Besucherströmen zu entgehen waren wir bereits um 6 Uhr Morgens vor den Toren und hatten somit das berühmte Tikal fast für uns alleine. Die Bauten sind eindrucksvoll und anders als bei den meisten Ruinen die man besuchen kann, ist Tikal nahbar. Man darf fast auf jede Pyramide rauf oder rein. Wir genießen die Sonne und den wunderschönen Ausblick über dem Blätterdach des Dschungels. Neben den Pyramiden gibt es einiges an Pflanzen- und Tierwelt zu bestaunen. Brüllaffen die sich lautstark in den Baumwipfeln streiten, Vögel die zwitschern, Spidermonkeys die von Ast zu Ast flitzen und Nasenbären die umherwuseln und ihre Nasen aufgeregt unter jeden Stein stecken. Als wir um 10 das Gelände verlassen, kommen uns in Scharen die Besucher und Tourbusse entgegen. Alles richtig gemacht würde ich sagen.  

Als wir nach einem langen Tag im Auto endlich an der Küste in Rìo Dulce ankommen, herrscht auf der Straße reges Treiben und wir mittendrin. Natürlich gerade im „Feierabendverkehr“ stecken wir zwischen den Marktständen, fliegenden Händlern, Hühnern und LKWs fest. Wir brauchen für 200 Meter eine glatte Stunde. Am nächsten Tag machen wir uns mit dem Boot auf nach Livingston. In das kleine karibische Städtchen kommt man nämlich nur mit dem Boot, es führen keine Straßen hin. Nach einer einstündigen Bootsfahrt durch die Mangroven und dem berühmten Fluss Rìo Dulce (gleichnamig mit der Stadt) kommen wir in Livinston an. Noch im Boot sitzend werden wir von sämtlichen Leuten angequatscht, die mit uns nach Belize fahren möchten. Da wir gerade von Belize kommen lehnen wir eine gefühlte Stunde, tausende von Angeboten, dankend ab. Unser Ziel sind die „Los Siete Altares“ die sieben Altare. Diese liegen 6 Kilometer von der Stadt entfernt im Dschungel. Nach einem Marsch am Strand entlang, bestaunen wir die hellblauen Wasserbecken. Mangels Regen, waren die Wasserfälle jedoch nur kleine Rinnsale. Die Bootsfahrt zurück nach Rìo Dulce war dann etwas speziell. Nachdem wir mit gehöriger Verspätung endlich loskamen, musste ein Tankstopp eingelegt werden und noch mehr Zeit ging verloren. Wir saßen nur zu fünft im Boot und dem entsprechend verärgert war auch der Kapitän. Mit einem leeren Boot fahren die Leute nicht gerne umher. Ganz nach der Laune des Kapitäns, jagte er das Boot mit einem Affen Tempo über den Fluss. Alle Passagiere klammerten sich an den Sitzbänken fest und der ein oder andere hielt den Atem bei halsbrecherischen Kurven an. Jede Welle nahmen wir mit und ich hatte kurzzeitig Bedenken, dass das Boot dem Stand hält. Nachdem wir in Rekordzeit am Zielhafen angekommen sind war mein Rücken blau und mein Po schmerzte.

Am nächsten Tag machen wir uns auf in Richtung Westen. Unser eigentliches Ziel war Semuc Champey, aber es sollte alles anders kommen. Von vielen Reisenden haben wir Schauergeschichten und die wildesten Dinge über die sogenannte „Straße“ nach Semuc gehört. Die Straße soll eher einem Wanderweg gleichen, Gravelroad, Schlaglöcher, viele und enge Kurven und so weiter. Demnach wunderten wir uns auch nicht als die Straße plötzlich vom Asphalt abging und zu einer Schotterstraße wurde. Steil Bergauf ins Landesinnere führend. Etwas unsicher fragten wir mehrere Leute, darunter sogar ein Tuktukfahrer der es wissen sollte, nach dem Weg und alle wiesen uns die gleiche Richtung. Also fuhren wir immer weiter durch Kaffeefelder und kleine Dörfchen. Die Straße immer und immer enger und schmaler werdend… wir sind also bei dem „Wanderweg“, der vielen Beschreibungen von anderen Travellern, angekommen. Ein Blick auf das Navi, alles klar wir sind richtig und es ist auch nicht mehr weit. Es kamen uns nur noch ganz vereinzelnd Autos entgegen, bis sie schlussendlich ganz wegblieben. Die Straße verwandelte sich zu einem Matschloch, an umdrehen war nicht zu denken da wir keinen Millimeter zum Wenden hatten. Also weiter gerade aus. Berge hoch und wieder runter. Sobald uns Menschen laufend entgegen kamen, bestätigten sie uns alle den Weg nach Semuc. Ja ja richtig, geradeaus weiter, nicht mehr weit, waren die Aussagen der Einheimischen. Wir also weiter ins Unglück gefahren. Als wir mit dem Auto schon mehrmals aufgesessen sind und knappe 8 Kilometer vor dem Ziel, ist dann endgültig Endstation. Völlig fertig mit den Nerven, demoliertem Auto und untergehender Sonne müssen wir uns bei einem beinahe senkrecht führenden Flussbett geschlagen geben. Die Einheimischen die von dem Berg herunter gelaufen kommen, sagen uns wir sollen hier hoch es ist nicht mehr weit aber unser Auto ist am Anschlag. Fix und fertig parken wir unseren Bus auf einer halbwegs geraden Fläche neben einem Häuschen. Der Besitzer meinte nur schmunzeln, wir können das Auto auf die „Straße“ stellen, es würde hier nie jemand mit dem Auto vorbeikommen. Das Problem ist, wenn wir das steile Flussbett am nächsten Tag nicht hochkommen, müssen wir zurück fahren. Aber ob wir dann dort den steilen Berg, den wir zuvor runter gerutscht sind, wieder hoch fahren können, steht in den Sternen. Meine Nerven sind am Ende, ich kann nicht mehr. Mein Herz rast, meine Hände zittern und ich sehe David und mich schon für immer und ewig hier im Dschungel leben. Gott sei Dank sind Davids Nerven besser und er versucht die ganze Situation zu verharmlosen. Morgen kommen wir dort bestimmt hoch, sagt er. Naja aber auch am nächsten Tag ist es noch zu steil und die Gräben zu tief um dort hoch zu fahren. Wir geben uns geschlagen und als der Hausherr sieht wie niedergeschlagen und verzweifelt wir sind, gibt er uns seinen Sohn als Navigator mit. Er soll uns einen anderen Weg raus aus dem Dschungel zeigen. Nach einem weiteren Tag über Stock und Stein, atemraubende Wege, Kurven und Berge, kommen wir endlich in Semuc an. Die Landschaft in den Bergen und zwischen den Kaffeefeldern war wunderschön, leider konnten wir sie nicht genießen. So tief ins irgendwo bei nirgendwo, wo die Landschaft noch unberührt und atemberaubend ist, werden wir hoffentlich nie wieder gelangen… zumindest nicht mit unserem Bus. Würde David unseren Bus nicht so gut kennen und wissen wie man mit ihm fährt, wäre es aussichtslos gewesen unser Zuhause jemals wieder auf eine Straße zu bringen. Mein Mann ist halt ein Held 😊

Semuc Champey ist das kleine Wunder Mitten im Dschungel. Man vermutet alles zwischen den Bergen aber nicht diese wunderschöne Wasserlandschaft. Das blaue Wasser bahnt sich den Weg über verschiedene Becken das Tal hinab. Daher auch sein Name, es sieht aus als würde Champagner von einem Gläserturm herunter fließen. Bei 30 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit gibt es für uns selbstverständlich nichts schöneres, als eine halbe Stunde den Berg hinauf zu steigen, endlich mal wieder körperliche Aktion. Die ansträngende Wanderung und das Schwitzen hat sich definitiv gelohnt, die Aussicht war der absolute Hammer. Zurück im Tal sind die natürlichen Pools eine willkommene Erfrischung. Abends zurück am Campground ließen wir bei einer Flasche Rotwein und selbstgemachten Gnocchi die vergangenen aufregenden Tage Revue passieren.

Da auch die offiziellen Straßen von Semuc in Richtung Westen nicht gerade den besten Ruf haben, machten wir uns noch vor Sonnenaufgang auf den Weg nach Chichicastenango. Die Schotterpiste wieder zurück auf den normalen „Highway“, kamen wir erstaunlich gut voran. David hat den Dreh mit dem Autofahren in Guatemala raus und weicht geschickt und manchmal mit etwas fraglichen Manövern den riesigen Schlaglöchern in der Straße aus. Und dann passiert es wieder, plötzlich hört der Asphalt auf. Den Bergpass wollten die Guatemalteken wohl nicht mehr asphaltieren. Wir rumpeln weiter den Weg entlang. Vor und hinter uns die Lastwagen. Das Navi zeigt munter die gleiche Route an. Ok wenn Lastwagen diesen Pass schaffen, dann schafft es auch unser Bus und so fahren wir langsam durch Staubwolken und Felsen hindurch. Wir benötigen für 30 Kilometer glatte fünf Stunden. Unser Herz schlägt höher, als wir nach einer Brücke wieder Asphalt unter den Reifen haben. Es dämmert bereits, als wir in Chichicastanango ankommen. Das kleine Städtchen ist berühmt für seinen Markt. Tücher in den leuchtendsten Farben, Topflappen, Gürtel, Hüte, Hühner, Obst und Gemüse, Geschirr, Spielzeug und Blumen, hier gibt es nichts was es nicht gibt.

Da die Menschen in Zentral- und Südamerika nur Spanisch und selten ganz wenig Englisch sprechen, dachten wir uns, eine Sprachschule würde uns gut tun. Gesagt getan, haben wir eine Woche lang am Lake Atitlan, am scheinbar schönsten Ort Guatemalas, eine Sprachschule gebucht. Unsere Pechsträhne sollte anhalten, denn kurz vor dem See ist kein weiterkommen. Die Straße von den Bergen runter an den See wurde gesprengt. Dort ist vorerst kein durch kommen. Wir haben verschiedene Leute auf der Straße, Taxifahrer und Ortsansässige gefragt, ob dies die Straße an den See ist und alle haben uns den Weg bestätigt. Ja sie hatten Recht, es wäre schon der Richtige Weg gewesen, aber leider kam keiner auf die Idee uns darüber zu informieren, dass dort die Straße unpassierbar ist. Also drehten wir um und fuhren einen riesen Umweg außen herum, um in der anderen Richtung nach San Pedro an den Lake Atitlan zu gelangen. Die Straße schlängelt sich durch kleine hübsche Dörfchen und zack vor uns der Schotterweg. Abermals wagen wir uns auf den Schotterweg. Es sind nur ein paar Kilometer und ausgeschildert war es auch. Wir drehten schlussendlich an einem steilen Hang um, nachdem uns die losen Steine und der Sand in die Knie zwingen. Nach einem kurzen Blick auf die Karte stellen wir missmutig fest, dass auch der dritte Weg zu unserem Wunschort nicht passierbar ist. Es fehlt eine Brücke. Selbst wenn wir den Fluss irgendwie überqueren könnten, wartet eine 27 Kilometer lange Gravelroad auf uns. Für das letzte Stück würden wir sogar eine Polizeieskorte benötigen. Es finden zu viele Überfälle auf dieser Strecke statt und die Einheimischen raten davon ab. Schluss aus, jetzt reichts, wir fahren in die größere Stadt nach Antigua, zumindest dort sollten Straßen hinführen. Wir sind also nie an dem See angekommen, daher können wir auch nicht beurteilen ob dies der schönste Ort Guatemalas ist. Frustriert sitzen wir im Hostel in Antigua und telefonieren mit der Sprachschule am See. Diese bestätigt uns, im Moment ist ein Besuch mit dem Auto in San Pedro unmöglich. Die Leute nehmen die Fähre von der anderen Seite des Sees, dies ist aber eine reine Passagierfähre. Nach Erkundigungen stellen wir fest, dass nicht einmal mehr die Polizei die berüchtigte Strecke nach San Pedro fährt. Gut sind wir in Antigua geblieben. Wir absolvierten also hier unseren einwöchigen Sprachkurs und erkundeten die Stadt. Antigua ist ein der schönsten Städte die wir auf der Reise besucht haben. Farbenfrohe und alte Gebäude, Kopfsteinpflasterstraßen, nette Menschen, gutes Essen, rauchende und donnernde Vulkane.

Genau diese Vulkane haben uns in ihren Bann gezogen. Wir beschließen auf den Acatenango, auf rund 4000 Meter in die Höhe zu steigen, um seinen Zwillingsbruder Fuego beim Lava spucken zu beobachten. Der Vulkan Acatenango ist momentan ruhig, ganz im Gegensatz zu seinem Bruder der ca. alle 20 Minuten ausbricht. Früh morgens holt uns ein Chickenbus ab und fährt uns an den Fuß des Vulkans. Hier warten bereits unsere Guides. Mit einer Truppe von 16 Leuten wandern wir hoch. Als wir abends an unserem Basecamp ankommen sind wir nur noch 15 und 2 davon haben schwer mit der Höhenkrankheit zu kämpfen. Oben angekommen ist es eiskalt und sehr windig. Der Ausblick auf die Stadt und die Täler ist Atemberaubend. Langsam verschwindet die Sonne hinter dem Vulkan. Im Dunkeln ist es noch eisiger. Mit Daunenjacke und Windjacke und allen Pullis die wir dabei haben sitzen wir am Feuer und versuchen nicht zu erfrieren. Nun wo es stock finster ist, wirkt der Ort magisch. Am Himmel funkeln tausende Sterne, so nah, dass ich das Gefühl habe sie anfassen zu können. Im Tal unten leuchten die Lichter der Stadt und alle 20 Minuten spukt der Vulkan gigantische Fontänen aus Lava und Gesteinsbrocken. An Schlafen ist bei diesem Naturschauspiel nicht zu denken. Als morgens um halb 6 die Sonne ihre ersten Strahlen auf uns wirft, tauen wir langsam wieder auf und machen uns an den Abstieg.

Weihnachten feierten wir so überhaupt nicht traditionell, mit einer Pizza von Dominos und zwei Flaschen Rotwein und mit Sandra und Timo aus Köln. Wir haben die beiden hier im Hostel kennengelernt. Sie machen auch die Panamericana, nur haben sie unten in Ushuaia gestartet und fahren nach oben in die USA. Es passt wie Topf auf Deckel, wir sind auf einer Wellenlänge. Weihnachten wird in Guatemala, anders als in Deutschland, mit mehr Rumps gefeiert. Das heißt viele Knaller und Feuerwerk, es wird den ganzen Tag gegessen, getanzt und die ganze Familie von jung bis alt feiert eine schrille, laute Party. Auf den Straßen gibt es Paraden und die ganze Stadt ist Weihnachtlich geschmückt. Um bei 25 Grad in Stimmung zu bekommen, bringt der Supermarkt es mit Hilfe von Schaumkanonen zum Schneien. Weihnachten in Guatemala ist alles andere als besinnlich aber trotzdem schön. Nun stehen uns zwei Tage und zwei Länder bevor. El Salvador und Honduras macht euch bereit wir kommen.

 


3 Gedanken zu “Guatemala

  1. As Heidi and I read your travels, all we can say is WOW. You make us regret not following you south and we plan for our own trip south. Again you make us jealous. Tell Sandra and Timo if they need a place in San Diego the can stay with us (if we’re in town), friends of your,s are welcome.

    Gefällt mir

    1. Hi Tom and Heidi how are you? So happy to hear from you. You should come and visit us in South America 😊
      Thank you very much, we will tell Timo and Sandra. It’s always nice to know someone on the road to stop by.

      Gefällt mir

  2. GANZ tolle Bilder – die Farben allein. Wir waren auch in Guatemala und veröffentlichen demnächst einen weiteren Beitrag darüber – Lago de Atitlán und Umgebung kennen wir wie aus der Westentasche, standen auch auf dem Pacaya – tolle Eindrücke hier! Wir wünschen euch noch eine erlebnisreiche Tour. LG Christian

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s