Costa Rica erster Streich

 

Pura Vida! Das ist für die Costarikaner die Antwort auf jede Frage, die Begrüßung und die Verabschiedung, der gute Vorsatz, eine Ausrede und das Lebensmotto. Auch lassen sie keine Gelegenheit aus, es laut raus zu rufen. Pura Vida amigo!

Fährt man von Nicaragua über die Grenze nach Costa Rica, fährt man nicht nur rechtlich in ein völlig anderes Land, nein auch gleich nach der Grenze verändert sich die Landschaft schlagartig von heiß, trocken und dürr auf heiß, grün und voller Leben. Grün soweit das Auge sehen kann und unglaublich viele Tiere kommen hinter jeder Ecke hervor. Erster Stop in Costa Rica ist eine Lodge in den Bergen, die vor 20 Jahren von einer Schweizer Familie aus St. Gallen aufgebaut wurde. Die Lodge ist ein Traum. Auf dem riesigen Arenal gibt es drei Wanderungen mit denen man das ganze Gelände erkunden kann. In dem Fluss, der direkt am Grundstück entlang fließt, wohnt ein Krokodil und ein paar Leguane. Morgens werden wir von den Vögeln geweckt und Mittags streiten sich lauthals die Howlermonkeys in den Bäumen über unserem Auto. Wir haben Glück und können sogar noch dem Faultier, das gelegentlich bei der Lodge vorbei schaut, Hallo sagen. Wie das so ist… aus einer Übernachtung wurden schlussendlich 4, es ist einfach zu schön hier und es gibt zu viel zu entdecken. Unsere Lieblingswanderung führt erst am Fluss entlang und dann durch den Dschungel auf eine Hochebene, von wo aus wir einen atemberaubenden Blick auf das vor uns erstreckende Land haben. Sogar den höchsten Vulkan Costa Ricas können wir von hier aus bestaunen. David und ich versuchten uns auch als Cowboys und reiteten für ein paar Stunden aus. David, der das erste Mal auf einem Pferd gesessen ist, fragt erst mal wo man denn hier Gas gibt. Ach herje das kann ja lustig werden, denn auch ich habe im Grunde keine Ahnung vom Reiten. Gott sei Dank hatte ich Zuhause ein paar Reitstunden von Glori bekommen. Nach ein paar lustigen Stunden ist dann aber Schluss, uns tut der Hintern weh, Cowboys werden wir in diesem Leben wohl nicht mehr.

In Liberia angekommen, bin ich schon nervös und kann kaum still halten. Wir holen die Mädels vom Busbahnhof ab. Hoher Besuch aus Deutschland 🙂 Chrischi und Dani begleiten uns für die nächsten 5 Wochen durch Costa Rica. Die beiden nach so langer Zeit endlich mal wieder in den Arm nehmen zu können und an meiner Seite zu wissen ist unbeschreiblich.

Den Trip durch Costa Rica fangen wir an der nördlichen Halbinsel Nicoya an. Samara ist das Tor zum Glück, so heißt es zumindest. In dem kleinen Surferort sind schon einige Urlauber für immer hängen geblieben. Kein Wunder, denn der weiße Strand ist unglaublich schön und die relax-vibes hoch ansteckend. Vorsichtshalber bleiben wir hier nur eine Nacht. Am Strand die Füsse vergraben und in die Wellen springen. Der rosa Sonnenuntergang verzaubert und abends haben wir das Glück zufällig an einer Feuershow vorbei zu kommen. Yes Baby in Samara lässt es sich aushalten. Nach dem morgendlichem Yoga am Strand machen wir uns am nächsten Tag auf den Weg Richtung Santa Teresa. Blöderweise entscheiden wir uns für die einheimische Strasse und diese entpuppt sich als fiese und teils sehr steile Gravelroad.

Nach einem sehr staubigen Fahrtag kommen wir bei den Holländern auf dem Camping Alouatta an. Coole Leute und ein Kilometer langer Strand für uns alleine. Ein Tag am Strand, baden, baden, baden bis uns Schwimmhäute wachsen. Und dann haben wir auch noch was zu feiern. Es ist Chrischis Geburtstag den wir mit Taco-Party und schokoladigem Schokokuchen ordentlich krachen lassen. Auch am Strand kann man wandern, ganz zur Freude von David und mir 🙂 Also marschieren wir eine Stunden den Berg hinauf, keine gute Idee bei über 30 Grad aber die Aussicht vom Plateau war jeden Tropfen Schweiß wert.

Der Ort Santa Teresa ist eigentlich eine einzige lange Küstenstraße die Santa Teresa, Playa El Carmen und Mal Pais verschmelzen lässt. Hier ist das Meer hinsichtlich Form, Farbe und Temperatur beinahe perfekt. Da die Mädels von einem stressigen Arbeitsalltag und wir von einem noch stressigeren Reisealltag kommen, beschließen wir ein paar Tage hier am Meer zu faulenzen. Mit dem Meer einschlafen und aufwachen, ein bisschen Yoga, viel Essen, den Bauch in die Sonne strecken und die Zeit zu genießen.

Der berühmte Wasserfall von Montezuma. Ein kleiner Fußmarsch dem Fluss entlang und wir stehen vor dem Wasserfall und dem wunderbaren Badebecken. Teilen mit anderen Touristen? Nein darin waren wir noch nie sehr gut und vor allem… wir wollen mehr und so krakseln wir noch weiter und weiter den Berg hinauf. Ziehen uns an Wurzeln und Bäumen den Dschungel hoch. Seilen uns teilweise wieder ab, um uns danach wieder am nächste Hindernisse hochzuhangeln. Aber dann haben wir es geschafft und Chrischi hat ihre Höhenangst bezwungen. Mit wackligen Knien stehen wir nun über dem Wasserfall und blicken hinab. Dem Fluss weiter hoch folgend kommt noch ein Wasserfall, ohne die vielen Touristen. David lässt es sich selbstverständlich nicht nehmen von dem 15 Meter Wasserfall einen Sprung ins kalte Nass zu wagen.

Der Weg nach Monteverde ist lang und vor allem führt er über viele Berge und Pässe. In Schlangenlinien kurven wir die Strassen entlang, als es dann schon langsam dämmert beschließen wir einen Stop einzulegen. Wir haben einen Tipp bekommen und dieser hat uns nicht im geringsten enttäuscht. La Colina heißt unsere neue Wohlfühloase. Bergpanorama erster Klasse, super nette Gastgeber und gratis Kaffee der nach Honig schmeckt. Dort oben in den Bergen ist es ganz schön windig, deshalb quartieren wir uns in einer kleinen Cabina ein. Morgens bekommen wir das traditionelle Tico Frühstück. Die Coxtericaner schwören auf Gallo Pinto, Reis mit Bohnen die mit einem kleinen Maisfladen verspeist werden. So sitzen wir bis Mittags auf unserem Balkon in Schaukelstühlen und schlürfen Kaffee. Weil wir uns dann doch noch Bewegen möchten, laufen wir eine Runde in den Nachbarbergen umher. Nun müssen wir aber weiter fahren, denn eigentlich wollten wir ja nach Monteverde. Eines steht fest, in Monteverde haben wir volles Programm. Kaum am Wunschort angekommen, geht es in schwindelerregende Höhen. Wir wagen uns auf den Skytrek, das ist eine zweistündige Wanderung durch den Nebelwald. Das Besondere daran, wir laufen nicht am Boden zwischen den Baumstämmen, der Weg führt über Hängebrücken zwischen den Baumwipfeln hindurch. Normalerweise ist es hier das ganze Jahr über ziemlich neblig, klar im Nebelwald aber bei uns spielt das Wetter irgendwie verrückt. Die Sonnenstrahlen brennen auf uns hinab lediglich ein bisschen Wind bläst. Abends dann gleich das nächste Abenteuer. Der Wind wurde zu einem Sturm und die Sonne ist untergegangen. Im Dunkeln nur mit Taschenlampen ausgestattet stapfen wir durch den Nebelwald. Die Nachtwanderung durch den Wald ist doch etwas gruselig. Es wird verdammt dunkel in diesem Nebelwald aber was uns unheimlich ist, finden die Tiere wunderbar und so können wir einiges bestaunen. Zahlreiche Vögel in den Baumkronen, vier Faultiere die sich kaum merklich bewegen, eine Art Waschbär, giftgrüne Schlangen und Taranteln. Unbedingt zu empfehlen ist der Curi-Cancha Nationalpark. Das hübsche kleine Reservat liegt am Ufer des Rio Cuecha und grenzt direkt am riesigen und berühmten Nationalpark Monteverde. Curi-Cancha wurde noch nicht von der breiten Masse der Touristen entdeckt und so können wir die gigantischen Bäume und wunderschönen Vögel fast für uns alleine haben. Besonder schön ist der Kolibrigarten. Hier wachsen viele Sträucher mit kleinen Blüten, die die Kolibries überaus lecker finden. Die Luft surrt vom Flügelschlag der kleinen Schönheiten. Überall schwirren die Kolibris rum. In einem Moment ist einer direkt neben deiner Schulter und im nächsten Moment ist er schon wieder woanders. Uns begegnen aber auch Vögel die es lieben im Rampenlicht zu stehen, so macht es den Anschein das der eint oder andere Vogel sich vor Davids Kamera richtig in Pose wirft. Auf dem Rückweg in die Zivilisation werden wir doch tatsächlich von Waldschweinen überrannt, alle haben es überlebt. Die Schweine leben auch noch.

Rio Celeste einer der eindrücklichsten Orte an denen wir waren. Fast schon magisch, zieht einen das türkisblaue, leuchtende Wasser des Flusses in den Bann. Es ist unmöglich die Augen davon abzuwenden. Der matschige Trail führt immer am Fluss entlang. An einigen Stellen ist der Schwefelgeruch so intensiv, das wir nur mit Nase zu und Luft anhalten daran vorbei kommen. Durch eine chemische Reaktion zweier ineinander fließenden Flüssen, wird das Wasser so unglaublich intensiv blau. Dani und Chrischi wollten sich ebenfalls mal als Cowboys versuchen und reiteten mit einem einheimischen Reitlehrer davon. Einige Stunden später, in denen wir uns schon Sorgen um die Mädels gemacht hatten, kamen sie mit einem breiten Grinsen und Herzchen in den Augen zurück. Uns haben sie erzählt, dass sie im Fluss baden waren, was aber wirklich passiert ist bleibt ein Geheimnis von den Mädels und dem schnuckligen Reitlehrer.

Eine fast vergessene Ecke von Costa Rica. Die Rede ist von dem abgelegene 102 Quadratkilometer große Naturschutzgebiet Cano Negro. Eine Tour durch die verzweigten Flussarme soll unglaublich spektakulär sein, gesagt getan wir sitzen morgens um halb 7 in einem kleinen Böötchen, das eher einer Nussschale gleicht und fahren durch die Arme und Kanäle des berühmten Cano Negro. Wir müssen nicht lange rätseln woher der Fluss seinen Namen hat, das Wasser ist matschig braun. In den Morgenstunden wacht die Tierwelt auf. Affenklans die sich streiten und rasend schnell von Ast zu Ast und Baum zu Baum schwingen. Hunderte von verschiedenen Vogelarten die vorbeiflattern, tauchen oder sich von der Sonne wärmen lassen. Und dann sind da noch die Leguane, die überall in den Ästen und zu unserer Überraschung auch hoch oben in den Bäumen liegen und die Sonne anbeten. David und Chrischi versuchen sich im Angeln. Ein paar Fische springen tatsächlich in dem Fluss herum aber die beiden haben heute kein Glück. Die waren Langschläfer unter den Tieren sind die Krokodile. Sie zeigen sich erst gegen Mittag. An den schlammigen Flussufern unter dem Dickicht oder am Ufer des Flusses lauern sie. Die bernsteinfarben Augen nur knapp über der Wasseroberfläche beobachten sie ihre Umgebung und haben alles fest im Blick, auch uns. Die Landschaft ist hier in ständigem Wandel. Lagunen die gerade wie riesige Seen aussehen, sind in der Trockenzeit Weiden für Pferde und Kühe. Wenn das Wasser knapp wird, tummeln sich alle die Tiere an einem einzigen Fluss. Es liegt fast nicht in unserer Vorstellungskraft, das so viel Wasser und so viele Flüsse einfach verwinden können. Stellt euch mal vor, was an diesem besagten Fluss in der Trockenzeit los sein muss.

Costa Rica ist unglaublich, atemberaubend, wunderschön, einzigartig, verrückt… Costa Rica ist eben Costa Rica und aus diesem Grund haben wir noch einen zweiten Teil für euch auf Lager.

 

 


Ein Gedanke zu “Costa Rica erster Streich

  1. So jetzt reichts aber:-/😭
    Wir haber immer noch Winter. Das Wetter ist nass-kalt und euer blog ist wieder mal so toll,
    da würde mal am liebsten alles hinschmeißen und den nächsten Flug nach Costa Rica buchen.
    Aber ich gönne es euch:-) 😎

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