Kolumbien

Cartagena ist eine Hafenstadt an der karibischen Küste von Kolumbien. Die Altstadt ist wunderschön und zeichnet sich vor allem durch kleinen, engen Gassen mit Kopfsteinpflasterstraßen und den kunterbunten alten Gebäuden aus. Wir kommen ein paar Tage vor unserem Auto an und genießen die Stadt in vollen Zügen. Es ist die karibische Seite Kolumbiens und das spürt man mit jedem Atemzug und in jedem Augenblick. Die Einwohner tragen bunte Kleidung, sind immer gut gelaunt und überall gibt es exotische Früchte. Es ist heiß, sehr heiß. Die Hitze staut sich in den kleinen Gassen. Um für einen Tag dieser Hitze zu entfliehen, machen wir einen Ausflug an den Playa Blanca. Eine Stunde mit dem öffentlichen Bus und wir landen an einem der schönsten Badestrände, an denen wir auf dieser Reise je waren. Das Wasser ist kristallblau und der Strand schneeweiß. So lässt es sich gut aufs Auto warten, auch wenn das ein paar Tage Verspätung hat. Die Tage verstreichen und unser Auto kommt und kommt einfach nicht in Kolumbien an. Wir wollen jetzt nicht auf diesen Autoterror eingehen, es war wirklich alles andere als toll. Unser rollendes Zuhause haben wir mit zwei Wochen Verspätung und etlichen nervenaufreibenden Tagen am Hafen wieder erhalten. Nichts wie raus aus dieser Stadt.

Wir beschließen die nächsten Tage zusammen mit unseren Verschiffungspartnern, den Jungs aus der Schweiz, und ihrem Bulli zu verbringen. Unser erstes Ziel in Kolumbien, ist der Nationalpark Tayrona in der Nähe von Santa Marta. Der Park ist unglaublich, wunderschöne Strände mit wunderschönen Felsen und Klippen, umsäumt mit Palmen. Ein Ort zum Wohlfühlen und das Beste, es gibt Kilometer lange Pfade die durch einen Großteil des Parks führen. Wir sind den ganzen Tag auf den Beinen und saugen so viele schöne Augenblicke auf, wie nur möglich.

Weiter geht’s nach Minca. Ab in die Höhe, ab in die Berge. Enttäuscht stellen wir fest, dass es hier oben, in dem kleinen Bergdorf, kein bisschen kühler ist als an der Küste. Eine Wanderung an Wasserfälle und an die größte Hängematte der Welt, versprechen aber Abkühlung und Abenteuer. Die Jungs und ich machen uns am nächsten Morgen also auf den Weg zum ersten Wasserfall. Die Idee hatten noch ungefähr hundert andere auch. Es wimmelt nur so von Menschen, es ist kaum mehr Platz, um am Ufer aneinander vorbei zu kommen. Das kann es doch nicht sein? Und so laufen wir den Fluss aufwärts und wir haben tatsächlich Glück, siehe da wir haben plötzlich den ganzen Fluss für uns alleine. Die Jungs entdecken eine natürliche Rutsche und der Wasserspass beginnt. Es geht weiter den Berg hinauf zu einem Aussichtspunkt von dem aus, können wir das ganze Tal überblicken. Ein paar Kilometer weiter, wir sind schon ziemlich müde, führt eine mysteriöse Abzweigung zur größten Hängematte der Welt. Der kleine Trampelpfad führt durch Bananenplantagen und sehr steil den Berg hinab. Es kommen Zweifel bezüglich des Weges auf. Ist das wirklich der richtige Weg? Der offizielle? Nein es sieht nicht so aus und wir wollten schon wieder umdrehen, als ein kleiner Wegweiser zwischen den Bananenblättern hervor blitzt. Yes! Laut diesem Schild ist es nicht mehr weit. Pünktlich zu unserem Eintreffen, an der Lodge, setzt der Regen ein. Uns ist so warm und wir sind so verschwitzt von der Wanderung, dass wir einfach in der riesigen Hängematte liegen bleiben und den Regen auf unsere Gesichter prasseln lassen. Auf dem Heimweg kommen wir noch an einem weiteren Wasserfall vorbei. Als wir dann zurück bei den Bussen sind stellen wir stolz fest, dass wir 27 Kilometer zurückgelegt haben.

Kolumbien ist groß und so folgen zwei Fahrtage durch das Landesinnere, bevor wir in der „Fun und Action“ Stadt San Gil ankommen. Hier gibt es alles was das Abenteuerherz begehrt. Ziplining, Höhlentouren, Rafting, Pferdetouren und vieles mehr. Wir entscheiden uns fürs Rafting und eine Höhlentour. Da ich früher mit meiner Familie schon das ein oder andere Mal in einer Höhle war, war ich bezüglich dieser Tour nicht sehr aufgeregt. Es war dunkel, eng und nass 😀 nein wirklich es ist immer wieder beeindruckend in die „Unterwelt“ einzutauchen. Aber vor dem Rafting ging mir die Sause. Meine 4 Jungs und ich hatten ein Boot für uns alleine. Ausgerüstet mit Weste, Helm und Paddel sollte der Spaß beginnen. Zwei Rettungskanus begleiteten uns. Die Dame die unser Boot steuerte, gab uns noch ein paar letzte Anweisungen und erklärte uns, was wir wann genau wie machen müssen. Ich dachte, wir werden alle ertrinken. Mit vereinten Kräften hievten wir das Boot ins Wasser und los gehts. Das Wasser, wie sollte es auch anders sein, war kurz vor dem Gefrierpunkt. Der Fluss war, naja ruhig. Es war mehr, wie daheim auf dem Rhein mit den Luftmatratzen. Damit wir überhaupt mal ins Wasser kamen, mussten wir vom Boot springen oder die Guids spritzten uns nass. Es war lustig, wir hatten viel Spaß aber von Rafting kann hier nicht die Rede gewesen sein.

Die Straßen in Lateinamerika sind manchmal fragwürdig, aber wir ziehen die schlimmsten Wege magisch an. Eigentlich wollten wir nach Guatape und der Weg sollte auch eigentlich nur auf der Autobahn führen. Aber nein, wir wären nicht wir, wenn wir so leicht von A nach B kommen würden. Auf halben Weg finden wir uns irgendwo in den Hängen, auf so steilen Straßen wieder, dass ich Angst habe dem nächste rückwärts um zu kippen. Die Straßen sind so eng, es kommen so gut wie keine Autos aneinander vorbei. Wir müssen rückwärts rollen um ein entgegenkommendes Auto vorbei zu lassen und dann passiert es. Der rechte Hinterreifen hängt in der Luft über einer Mauer. Super, jetzt hat mich die Panik voll erwischt. Wir hängen in der Luft und die Straße geht senkrecht den Berg hinauf. David gibt Gas und ein paar Männer aus der Nachbarschaft helfen schieben und hochheben, damit wir wieder Straße unter den Reifen haben. Nun sind die Stellen zum Teil so steil, dass unser Auto versagt und nicht einmal mehr im ersten Gang einen Millimeter weiter kommt. Wir also alles zurück… Hilfe wo ist die Autobahn. Nach ein paar Stunden kommen wir aber tatsächlich in Guatape an und können den berühmten Felsen erklimmen. 650 Stufen später genießen wir die Aussicht. Der Blick scheint fast endlos weit zu reichen.

Medellin ist wohl eine der Städte, mit der düstersten Geschichte. Wir machen eine Free-Walking-Tour und erfahren einiges über die Menschen, die Kommunen und vor allem über die brutale Vergangenheit. Heute ist die Comuna 13 ein bunter, lebhafter Ort der vor Energie nur so zu strotzen scheint, dass war aber nicht immer so. Hier tobte der brutale Krieg zwischen der Regierung und den Guerillakämpfern. Die Bewohner haben nicht aufgegeben und vor allem zusammen gehalten und haben aus der einst gefürchteten Gegend, einen Ort für Künstler geschaffen. Da die Kommunen alle am Hang liegen, gibt es dort sogar Rolltreppen im Freien. Bei der Gondelfahrt wird uns bewusst wie groß diese Stadt ist. Sie scheint sich endlos die Berge und Täler entlang zu schlängeln.

Die Kaffee-Farm Venezia liegt etwas abseits der normalen Straßen in einem Tal. Unser Campingspot ist umgeben von Kaffeesträuchern, Bananenstauden und Büschen. Leider Regnet es die kompletten beiden Tage die wir auf der Farm verbringen und so machen wir keine der zahlreichen Wanderungen durch das gesamte Gebiet. Dafür melden wir uns aber für eine Kaffee-Führung an. Uns wird alles erklärt was mit dem Kaffee und auch nicht mit dem Kaffee, zusammen hängt. Man könnte sagen, David und ich sind jetzt Kaffeeprofis. Die Führung ging über drei Stunden und uns wurde von der Kaffeepflanze, über das Pflücken bis hin zum Rösten und Verkaufen des Kaffees alles gezeigt. Auf der Farm leben viele Tiere und es gibt den ganzen Tag frischen Kaffee gratis. Ach das ist ein Leben.

Es ist Ostern und wer jetzt denkt, wir entkommen dem berühmt berüchtigten Osterstau, der hat sich aber gründlich geirrt. Es ist die Hölle los. Jeder der etwas Fahrbares besitzt, ist auf der Straße. In Filandia können wir für die „schlimmste“ Zeit bei einem Engländer untertauchen. Am Ostersonntag, morgens um 6 Uhr wagen wir uns wieder auf die Straße und düsen ins Valle de Cocora. Hier ist der einzige Ort auf der Welt, wo die riesigen Wax Palmen wachsen. Das Tal ist traumhaft schön. So viele verschiedene Grüntöne und der Nebel am Morgen macht dieses Tal unglaublich bezaubernd und wir sind hin und weg.

Kurz vor der Grenze zu Ecuador, legen wir einen Stopp bei Jorge ein. Er wohnt an einem See in den Bergen. Ein sehr sehr netter Kolumbianer, der selbst schon mit dem Bulli in Südamerika unterwegs war und sogar deutsch spricht. Wir bekommen viele Tipps von ihm. Am Abend macht Jorge mit uns noch eine Bootsausfahrt, zeigt uns das kleine Dorf, das aussieht wie ein Mix aus Schweiz und Venedig. Außerdem dürfen wir die weißen Vögel bestaunen, die jeden Abend vom gesamten See an einen bestimmten Ort fliegen, um dort im Schilf zusammen zu übernachten.

Die letzte Nacht in Kolumbien verbringen wir in dem kleinen Grenzdorf zu Ecuador. Hier gibt es eine Kirche, die in eine Schlucht gebaut ist. Viele Türmchen und Schnörkel zieren die Kirche. Am Abend lernen wir Craig und Alex kennen, Kanadier die ebenfalls die Panamericana machen, sie haben nur ein paar Jährchen mehr Zeit als David und ich. Wir verabreden uns, die Horrorgrenze zu Ecuador zusammen zu meistern. Am nächsten Morgen um 5 Uhr fahren wir zur Grenze und kämpfen unseren Weg durch die Flüchtlinge von Venezuela und die kolumbianische Bürokratie. Nach Stunden dürfen wir endlich auf die ecuadorianische Seite fahren.

Adios Columbia


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