Ecuador

Bei jedem Land hatten wir so unsere Vorstellung und Vorfreuden auf bestimmte Orte, nicht so in Ecuador. Für uns war das Land weitestgehend unbekannt. Ecuador, die Natur und vor allem die Menschen haben uns sehr schnell für sich eingenommen, so dass Ecuador eines der schönsten Länder unserer bisherigen Reise geworden ist.

Anders als bei der Ausreise von Kolumbien, ging die Einreise nach Ecuador sehr flott. Ein kurzes „Buenos dìas“ und zwei Stempel später hieß es Willkommen in Ecuador. Der erste Stopp war der berühmte Samstagsmarkt in Otavalo. Als einer der größten Märkte Südamerikas gab es von Meerschweinchen über Teppiche und Pullover bis hin zu Tomaten und Rübli, einfach alles.

Unser rotes Zuhause machte mal wieder komische Geräusche die verdächtig nach Problem mit der Kupplung klangen. Glück im Unglück war Quito ziemlich nahe. Auf dem Weg in die Hauptstadt machten wir noch einen kleinen Abstecher zur Laguna Cuicocha. Dieser Umweg hat sich gelohnt. Neben dem Sonnenbrand unseres Lebens, machten wir hier auch unsere erste Höhenwanderung auf 3500 Meter. Diese Höhe sind wir uns so überhaupt nicht gewohnt und so kommen David und ich bei der Lagunenumrundung ganz schön ins Schnaufen. Wenn das Schuhe binden schon anstrengend ist, könnt ihr euch vorstellen wie eine 15 Kilometer Tour ist. Leider muss ich diesen Satz in diesem Blog für dieses Land sehr oft schreiben, aber die Aussicht war der Hammer!

Mit immer schlimmer und lauter werdenden Geräuschen rollten wir bei dem VW Mechaniker in Quito auf die Hofeinfahrt. Unser Van wird bestaunt, ein T4 und auch noch als Syncro sieht man hier nicht alle Tage. Patto der Chef der Werkstatt ist total VW begeistert. Eine Woche verbringen wir hier in der Werkstatt um die Kupplung auszutauschen. Die Mechaniker tun ihr Bestes um uns den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. Jeden Mittag essen wir alle zusammen im benachbarten Restaurant und uns werden sämtliche Spezialitäten aufgetischt. Eines Abends lädt uns unser Mechaniker zu einer Stadtrundfahrt ein. Es war ziemlich spontan und wir wussten im Grunde nicht so ganz was wir machen, deshalb haben wir im Eifer des Gefechtes keine Kamera und kein Handy mitgenommen. Der nächtliche Ausflug war sehr cool. Wir sind durch die Altstadt gedüst und auf den höchsten Berg mitten in der Stadt. Uns hat ein schier endloses Lichtermeer umgeben.  Am Sonntag sind wir ganz alleine in der Werkstatt, es wird natürlich nicht gearbeitet und so entschieden wir uns auch ein bisschen Abwechslung zu gönnen und zum Mittelpunkt der Erde (Midat del Mundo) zu Fahren. Selbstverständlich müssen wir den Bus nehmen, da bei unserem Auto weder Räder noch der Motor dran ist. Der Äquator wurde damals schon von den Inkas bestimmt. Wir machten eine kleine Führung mit, ließen uns einiges geschichtliches erklären und machten lustige Spiele. Naja im Endeffekt ist es eben nur ein Strich am Boden.  Quito ist eine sehr sportliche Stadt, zumindest gibt es einen riesen Park mit kompletter Sportausstattung. Olympischen Rennbahnen,  Crossfit Bereich mit Seilen, Reifen und so weiter, Zumba, Arobic, Fußballtore einfach alles was das Sportlerherz begehrt und das Schönste, es wird tatsächlich genutzt. Morgens und abends ist im Park die Hölle los.

Nach den letzten Monaten, die wir eher an den Küsten verbracht haben, sind wir überglücklich, nach einer Woche Zwangspause in Quito, endlich wieder back on the road zu sein und die Vulkane Ecuadors zu stürmen. Wir konnten es kaum erwarten und waren hibbelig wie kleine Kinder. Strahlender Sonnenschein, blauer Himmel und mittendrin thront der gigantische Cotopaxi, mit einer Höhe von 5897 Metern. So nahm uns der Nationalpark in Empfang. Der Ranger dachte mit ziemlicher Sicherheit, dass wir sind mehr alle Tassen im Schrank haben, David knipste noch vor dem Eingang die Kamera voll und ich stand mit glänzenden Augen und vor Aufregung quasselnd neben ihm, anstatt das wir mal in die Park fahren. Der Nationalpark war ein Traum, der Schotterweg führte durch die einzigartige Landschaft in der ab und an ein paar Wildpferde vorbei trabten und das alles vor dem wunderschönen Vulkan Cotopaxi. Völlig gefläscht waren wir, als doch tatsächlich ein Lama vor dem Vulkan am fressen war. Das perfekte Touribild war also auch schon geschossen. Es war bereits spät, als wir im Nationalpark ankamen und deshalb beschlossen wir, erst am nächsten Morgen bis auf 4865 Meter zum Refugium 1 zu Wandern. Gesagt getan, am nächsten Morgen führen wir mit unserem Bus auf 4600 Meter und legten die letzten 265 Höhenmeter zu Fuß zurück. Mehr schlecht als Recht kam ich nur mühsam den Vulkan hinauf. Bei mir machte sich die Höhenkrankheit bemerkbar. Zu allem Pech regnete und stürmte es wie verrückt. David ging es pudelwohl, aber ich hatte mit Übelkeit und Schwindel zu kämpfen. Die Hütte war schon zu sehen, also Arschbacken zusammen kneifen und ganz langsam Schritt für Schritt weiter. Oben angekommen gab es zur Belohnung für David eine heiße Schokolade und für mich einen Coca Tee. David war noch so voller Energie, dass er es noch weiter bis zum Gletscher auf 5000 Meter schaffte. Ich saß derzeit im warmen Refugium. Langsam spürte ich meine Taub gewordenen Fingerspitzen und Lippen wieder. Kurze Bemerkung am Rande… man sollte bei Anzeichen von Höhenkrankheit niemals weitergehen, ich musste es auf die unschöne Art lernen. Am Abend und auch die Nacht durch, ging es mir richtig schlecht. Trotz allem, es war eine unglaublich coole Erfahrung.

Wer hat schon genug Zeit? David und ich bestimmt nicht, wir sind auf Weltreise und grundsätzlich im Stress. So fahren wir gleich am nächsten Tag zum atemberaubenden Chimborazo, der mit seinen 6310 Metern in der Landschaft mächtig Eindruck macht. Wir beide wieder völlig aus dem Häuschen. Diese Hohen Vulkane haben etwas Magisches, Anziehendes. Langsam fahren wir zum Refugium 1 auf 4800 Metern. Langsam, weil ich zwar wieder fit bin aber die Höhenkrankheit jeder Zeit zuschlagen kann, aber mir geht es auch auf 4800 Meter noch prima. Auch hier haben wir wieder Glück und die Sonne scheint. Die Einheimischen erzählen, dass der Vulkan die letzte Woche komplett im Nebel lag und wir die Gunst der Stunde nutzen sollten um den Chimborazo ausgiebig zu bestaunen. Wir machen uns am Nachmittag also noch auf eine kleine Wanderung zu einer Laguna auf 5100 Metern Höhe. Die Luft wird ganz schön dünn, aber die unglaubliche Aussicht lenkt uns völlig ab. Unser heutiger Schlafplatz ist auf 4800 Metern und das Kochen wird zum Geduldsakt oder eher zum Wettlauf mit dem Hunger. Bei dieser Höhe kocht das Wasser bereits bei 70 Grad und so braucht das Essen eine halbe Ewigkeit bis es gar ist. Ein Vorteil: wenn die Sonne am Horizont verwunden ist, wird es richtig richtig kalt und durch das lange Kochen wurde unser Van aufgeheizt. Mit Wärmflasche (Danke Vreni, Kohler und Scheuble, die Wärmflaschen haben uns die Nacht gerettet) Schlafsack und 2 Decken kuscheln wir uns ins Bett. Am nächsten Morgen dann der Zwiespalt, das ganze Auto ist eingefroren, unser Atem macht dicke Wolken aber die Aussicht auf den Chimborazo hinter dem die Sonne aufgeht ist der absolute Oberhammer. Mit offener Türe und einer Tasse Kaffee, liegen wir im Bett und genießen die Aussicht. Ein Kolibri schaut ein paar Mal bei uns vorbei, so nah, dass er beinahe ins Auto fliegt. Ein paar Alpaka mit Frost bedeckten Rücken laufen am Bus vorbei und eine Art Adler schaut auch mal was die beiden Touris so machen. Als die ersten Sonnenstrahlen es dann schließlich über den Berg geschafft haben, taut um uns herum langsam alles auf. Wir beschließen heute nochmals eine Tour zu machen und laufen eine der Kletterroute die bis zum Gipfel führen hoch. Den Blick immer auf den wunderschönen Gipfel gerichtet. Schritt für Schritt erst auf Geröll dann über Schneefelder aufwärts. Bei 5400 Höhenmetern ist dann aber Schluss für uns. Der Boden wird zu eisig und ohne Ausrüstung, wohl auch zu gefährlich. Schlappe 900 Höhenmeter trennen uns vom Gipfel. Eines Tages werden wir ihn besteigen, den unglaublich beeindruckenden Chimborazo, aber bis dahin sind 5400 Höhenmeter der höchste Punkt an dem wir in unserem Leben waren.

Langsam geht es vom Hochland weiter Richtung Küste. Die Berge werden durch Schluchten abgelöst. Die Landschaft ist auch hier wieder unglaublich aufregend. So kommt es durchaus vor, dass neben der Straße sich plötzlich ein riesen Riss breit macht. Berühmt ist die Gegend aber für den türkisenen,  atemberaubende Kratersee Laguna Quilotoa. Der spektakuläre 10 Kilometer lange Rundweg, führt immer auf dem Grad des erloschenen Vulkanes entlang. Wir sind immer noch auf ca. 4000 Höhenmeter. Nach der Wanderung sehnen wir uns nach einer Dusche. Naja eine Dusche haben wir nicht gefunden, aber eine heiße Quelle und so sitzen wir kurze Zeit später zwischen den Einheimischen im Wasser. Diese staunen nicht schlecht, denn Gringos wagen sich hier nur selten her.

An Davids Geburtstag, haben wir es dann endlich an die Küste geschafft. Die Umgebung, das Klima und vor allem die Menschen sind mit dem Hochland so überhaupt nicht zu vergleichen. Uns gefällt es nicht allzu sehr am Meer. Der einzige Grund, der uns hier hielt waren die Vögel mit den blauen Füssen. Ja richtig, auf der kleinen Insel Isla de la Plata gibt es Blaufußtölpel und diese haben so wirklich blaue Füße. Ich konnte es kaum glauben, als die kleinen Kerlchen an uns vorbei gewatschelt sind. Die Füße der Vögel waren leuchtend hellblau. Als wären sie in Farbe gestanden.

Die Geschichte wie David zu einem original Panamahut kam… wir gingen zu einem Hutmacher, probierten 2 an und kauften dann den Auserwählten. Davor musste ich aber von Panama weg sticheln und das Argument „Ich heirate dich nur mit einem original Panamahut“ hat wohl gezogen. Männer, man muss sie immer zu ihrem Glück zwingen. Übrigens Nutzes Wissen, der berühmte Panamahut wird nicht in Panama, sondern in Ecuador hergestellt.

Unsere Zeit in Ecuador neigt sich langsam dem Ende zu und wir fahren zur Grenze nach Peru. Logischerweise nicht bevor wir ein zwei Abstecher in die Nationalparks, die zufällig auf dem Weg liegen, gemacht haben. Wir suchten die Flüsse nach Forellen ab, David wurde aber leider nicht fündig. In Podocarpus soll es in den Bergen nicht nur Bären sondern auch Tapire geben. David und ich also schon früh morgens los und was tut es im Regenwald? Genau es regnet und zwar nicht zu knapp. Wir aber immer noch wild darauf die Tapire zu entdecken immer weiter durch den Matsch. Den Tapiren und auch den Bären war es wohl zu ungemütlich, denn zu dem Regen kam auch noch ein ziemlicher Wind. Wir haben weder noch gesehen. Aber die Wanderung grenzte schon etwas ans Bergsteigen. So kämpften wir uns durch die zu gewucherten Pfade und kletterten Schluchten und Felsen runter. Links und rechts vom Pfad ging es steil, ja fast senkrecht hinunter. Trotz Regen und Sturm, die Fauna war atemberaubend. Patsch nass und durchweicht, kamen wir 4 Stunden später wieder am Auto an. 4 Stunden für 5 Kilometer, ihr könnt euch also denken was das für ein Trip war.

Die letzte Nacht in Ecuador verbrachten wir 150 Kilometer vor der Grenze zu Peru. Wir wussten bereits, dass die letzten 50 Kilometer zur Grenze eine Schotterstraße ist. Das die Schotterstraße aber über Bergpässe führt und in regelmäßigen Abständen Erdrutsche die Straße blockieren, das hat uns keiner gesagt. Unser Auto ist aber super und David ein leidenschaftlicher Offroaddriver und so kamen wir dann auch heile nach 6 Stunden in Peru an.

 


3 Gedanken zu “Ecuador

  1. David, you have some very good photos. But, I agree with Franz you should be at the other end of the camera so we can see you in your new hat. Heidi and I continue to enjoy following you two on your trip. Heid and I will be in Germany in August and September maybe we can get together there. Tom

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s