Bolivien und Chile

Die Einreise nach Bolivien war etwas holprig. Naja sagen wir es mal so, wir halt typisch Deutsch und die Bolivianer halt so typisch Südamerikanisch. Die Formulare die wir im Vorfeld ausfüllen mussten, wurden kurz stirnrunzelnd angesehen, aber nicht beachtet. Anscheinend wusste der Grenzbeamte nicht einmal das diese Formulare existieren. Ist eigentlich auch egal, denn wir durften mit unserem Van ins Land einreisen und das ist doch das wichtigste. Bevor wir allerdings weiterfahren durften, mussten wir uns einen Stempel bei der Polizei holen. David trottet brav zur Polizei um den Stempel für unser Auto zu holen. Achtung jetzt beginnt das Duel Deutschland gegen Bolivien. Der Polizist fragt ob wir einen Feuerlöscher haben, David bejaht. Der Polizist wieder, ob wir ein Warndreieck haben, David bejaht. Weiter ob wir Warnwesten und Erstehilfe-Set haben, auch hier bejaht David. Der Polizist ist ratlos und schaut sich im Raum um, dann frägt er schließlich: Habt ihr auch eine Pylone? Er zeigt auf ein 1 Meter hohes orangenes Straßenhütchen. Nun muss David gestehen, so etwas haben wir in unserem Bus nicht verstaut. Bei aller Liebe, unser Van ist Weltklasse aber so viel Stauraum haben wir nun auch nicht. Der Polizist lächelt und versucht David klar zu machen, dass diese Pylone Pflicht ist. Als pflichtbewusster Deutscher wollen wir selbstverständlich zur Sicherheit im Straßenverkehr beitragen und eine Pylone kaufen. Der Polizist traut seinen Ohren nicht, hier kann man natürlich keine Pylone kaufen. Wir sollen ihm 10 USD auf den Tisch legen und er wird großzügig über unser Vergehen wegschauen. David wieder: Nein, nein wir wollen eine kaufen. Nach längerem hin und her geben 4 Polizisten um David herum mürrisch auf und lassen uns ziehen. Yes Deutschland hat den Bestechungsversuch von Bolivien gewonnen.

Auf diesen Triumph hin machen wir uns auf zu dem kleinen Dörfchen Copacabana. Richtig gelesen, in Bolivien gibt es auch ein Copacabana und das liegt direkt am Titicacasee. Hier gönnen wir uns einen Pisco Sour, alle sind immer so begeistert, aber uns schmeckt das Gebräu so überhaupt nicht. Zuckerrohrschnaps mit Eischnee und Zimt, wems schmeckt Cheers!

Reist man durch Bolivien, so befindet  man sich zu 90% auf einer Höhe von 4000 Metern. So verwundert uns auch nicht, dass die Hauptstadt La Paz auf stolze 4100 Meter über dem Meeresspiegel liegt. La Paz ist riesig, 1,8 Millionen Menschen leben in dieser nicht enden wollenden Stadt. Da die Stadt über mehrere Bergtäler reicht, haben die Bolivianer eine Goldelbahn als Vorbewegungsmittel gebaut. Mit den Bergen im Hintergrund, ein bisschen Skiurlaubfeeling. Als wir in der Hauptstadt ankommen, sind wir hoffnungslos verloren. Unmengen von Leuten auf den Straßen, ein Markt auf der Hauptstraße und zu guter Letzt stehen wir auf der Autobahn mitten in einer Demonstration. Die Polizei setzt Rauchbomben ein, um Herr der Lage zu werden. Die Menschen geraten in Panik und stürmen um unser Auto herum. Auch uns ist nicht mehr wohl und wir versuchen aus diesem Schlamassel schnellst möglich heraus zu finden. Die nächsten Tage verbringen wir beim Hotel Oberland. Ein Schweizer Hotel mit Schweizer Küche. Muss ich da mehr sagen als, Rösti, Zürcher Geschnetzeltes, Cordon bleu, Fondue… mhhh sooo lecker.

Der Salzsee ruft. Ein Meilenstein unserer Reise. Wer kennt sie nicht, die Bilder auf dem Salzsee der kein Ende nimmt und wo groß und klein nicht mehr zu unterscheiden sind. Eigentlich war der Plan selbst auf den Salzsee Uyuni zu fahren und eine Nacht im Nirgendwo zu schlafen. Also wir aber den Eingang zum See sehen, entscheiden wir uns spontan um. Wir hätten durch ziemlich viele und ziemlich tiefe Salzwasserpfützen müssen und das wollten wir unserem alten Van nicht antun. Also sind wir am nächsten Tag mit einer Tour auf den Uyuni. Morgens wurden wir in einem Jeep abgeholt und machten die Tour mit 4 etwas älteren aber sehr netten Argentiniern. Der Salzsee ist ein besonderes Erlebnis gewesen. Wir fuhren eigentlich nur Stunden lang auf weißem Untergrund und sahen um uns herum auch nur weiß, aber seht euch am besten selbst die Bilder an.

Wir düsen weiter Richtung Grenze zu Chile. Bevor wir aber Bolivien verlassen wollen wir uns noch den Nationalpark Sajama anschauen. Der Park hat sandige Straßen, hohe Berge bzw. erloschene Vulkane und übermäßig viele Lamas und Alpakas. Die Vulkane haben heiße Quellen hinterlassen, für die David und ich überaus Dankbar waren. Tagsüber machten wir Wanderungen und erkundeten die Gegend, die Sonne schien pausenlos vom Himmel und es war angenehm warm. Beim Sonnenuntergang hörte dann aber der Spaß auf. Bei -30 Grad schläft es sich eher unruhig. Im Schlafsack mit Bettdecke, Wolldecke, Alpakadecke, Wärmflasche und dicken Wollsocken sowie Pulli versteckten wir uns im Bus bis die ersten Sonnenstrahlen wieder heraus kamen. Der Van war komplett eingefroren, die 6 Liter Wasserflasche war ebenfalls durch gefroren. Die heißen Quellen und Kaffee wärmte uns wieder auf. Selbst die Lamas die am Rücken eine Frost-schicht mit sich trugen, gesellten sich zu uns an die heißen Quellen.

In Chile angekommen, treffen wir uns mit unseren Freunden aus der Schweiz „Gringos to go“. Wir haben vor ein paar Monaten mit den Jungs verschifft und Kolumbien bereist. Wir sehen uns zusammen die Geisterstadt in der Nähe von Calama an. Hier wurde früher Salpeter abgebaut. In dieser Stadt lebten die Arbeiter mit ihren Familien. Schon seltsam, leere Häuser, Einkaufsläden und Schule zu sehen… als ob gestern noch jemand hier gewesen wäre.

In Calama ist die Weltweit größte Miene für Kupfer. Wir wollen sie mit den Jungs besichtigen. Männer und Bagger, was auch sonst 😀 leider ist die Miene nur an Werktagen zu besichtigen, also machen wir stattdessen einen ausgedehnten Einkauf. In einem riesigen Jumbo finden wir Essiggurken und sogar Sauerkraut, Hallo liebe Heimat.

David und ich fahren weiter in die Atacamawüste nach San Pedro. Was wir wieder für ein Glück haben und ein kleines Wunder erleben dürfen, es regnet. Jawohl in der trockensten Wüste dieser Welt regnet es ausgerechnet dann wenn wir dort sind. Die Natur freut es. Auch hier ist der Boden sehr salzhaltig und es gibt kleine Salzlagunen. In den Lagunen tummeln sich die pinken Flamingos. Diese Tiere sind von Natur aus wirklich pink und stolzieren sehr elegant im flachen Wasser herum. An diesem Abend haben wir einen spektakulären Sonnenuntergang. Die Berge spiegeln sich im glatten Wasser und der Himmel wird in schillernden Farben gefärbt.

Valle de Luna, Tal des Mondes und so sieht es wirklich aus. Wir fühlen uns, als wären wir auf einem Planeten gelandet, fern ab von der Erde. Karge Felslandschaft und Sand. Der Wind pfeift durch die Ritzen und Spalten der Felsen. Genau hier wollen wir die Nacht verbringen. Es ist kein Alien zu Besuch gekommen, stattdessen hat uns morgens ein mysteriöser Mann geweckt und gefragt, ob wir ihm helfen könnten. Sein Auto springt nicht an. Als wir bei dem Auto ankommen, steht es quer in der Straße und ein anderer Mann läuft nervös auf und ab. Die beiden haben nicht einmal ein Überbrückungskabel dabei. Uns wurde immer mulmiger zu Mute. In dem Moment als David den Kofferraum öffnet, kommt ein Tour Bus angefahren und das war unsere Rettung. Da die beiden Autos die Straße blockierten musste der Tourbus warten. Das Auto der beiden Männer ist dann komischerweise sofort angesprungen. Wir haben unser Kabel gepackt und haben uns schnell aus dem Staub gemacht.

Zurück in der Mienenstadt Calama besuchen wir nun endlich die weltweit größte Kupfermiene. Wir fahren mit einem Tourbus die verschiedenen Stopps in der Miene an. Wie klein so ein großer Tourbus neben einem riesigen Bagger oder Lastwagen ist, der Wahnsinn. Das „Loch“ ist 4300 Meter lang, 3000 Meter breit und satte 1000 Meter tief.

Nach dem Trubel und den vielen Menschen in Calama, zieht es uns wieder in die Wildnis und die Stille. Stille haben wir hier in der trockenen Wüste Atacama genug. Ein Künstler hat eine Hand aus Beton in Mitten der Wüste gebaut. Die Hand ragt aus dem Sand und zeigt zum Himmel, hm was das genau ausdrücken soll wissen wir auch nicht, aber Nachts greift sie die Sterne vom Himmel und ist wunderschön.

Am Wochenende können wir Davids Cousin Sebastiano abholen, dieser wird uns ein paar Tage begleiten. Sebastiano arbeit gerade an seiner Doktorarbeit und ist für Beobachtungen bei den berühmten Teleskopen von Paranal in Antofagasta. Wir machen die Führung durch die Sternwarte mit. Anfangs glauben wir noch, alleine die Tour zu machen. Plötzlich stehen neben uns der Botschafter von Argentinien und der Kapitän einer ganzen Flotte, wenig später kommt auch die Crew in vier Bussen angefahren. Es ist mächtig was los. Die Führung ist für David und mich super interessant, Sebastiano gibt hin und wieder seinen Senf dazu und erklärt uns alles ganz genau. Der Tag hat aufregend gestartet, nun liegen aber einige hundert Kilometer langweilige Fahrt vor uns dreien. Ziel ist der Jama Pass bei San Pedro de Atacama. Genau da waren wir vor ein paar Tagen schon einmal, aber im Winter sind nur wenige Pässe nach Argentinien überquerbar. So bleibt uns nicht viel Auswahl. Morgens genießen wir beim Französischen Bäcker noch ein paar warme Croissant und Kaffee. Auf zum Jama Pass. Weit kommen wir nicht, in der Nacht zuvor hat er dort oben kräftig geschneit und es wütet wohl auch noch ein übler Sturm. Die Straße zum Pass ist gesperrt und zwei bereits etwas genervte Polizisten bewachen die Schranke. Unzählige Lastwagen parken bereits entlang der Straße und einige Einheimische warten ebenfalls darauf, endlich durchfahren zu können. Nach ein paar Stunden des Wartens und eher nicht zufrieden stellende Antworten von den Polizisten gehen wir zurück ins Dorf. Ein weiterer Kaffee beim Franzosen muss her. Wir googeln das Wetter, Schnee, Schnee, Schnee, bis  Anfang Woche. Na ganz toll, selbst die Einheimischen bestätigen uns, der Pass wird am Wochenende wohl eher nicht mehr geöffnet werden. Da wir nur ein paar Tage haben, bis Sebastiano von Santiago de Chile wieder nach Deutschland fliegen muss, entscheiden wir uns auf der chilenischen, statt wie geplant auf der argentinischen Seite, Land abwärts zu fahren. 2000 Kilometer durch die Wüste bis wir in Valparaíso ankommen. Das war eine sehr lange Fahrt. Wir haben es uns aber auch zwischen durch sehr gemütlich gemacht. Einen Nationalpark mit Steinmalereien der Incas besucht, Wein direkt vom Winzer gekauft und sündhaft gutes Risotto geschlemmt.

Also die Jungs vorne begeistert das Meer bejubeln, wache ich hinten auf der Rücksitzbank benommen auf. Tatsache, wir haben es ans Meer geschafft und die Wüste endlich hinter uns gelassen. Am Nachmittag kommen wir dann endlich in Valparaíso an. Die Stadt an der Küste, direkt in den Berg gebaut. Die bunten Häuschen, die kleinen Gassen und die vielen Treppenstufen können sich sehen lassen. Ganz touristisch klappern wir alle Sehenswürdigkeiten ab und trinken Kaffee mit bombastischer Aussicht.

Auf zum nächsten Pass. Auch der größte Pass nach Argentinien rein, Paso Los Libertadores, war die letzten Tage wegen des Schneesturmes geschlossen. Gott sei Dank ist er aber an diesem Morgen wieder offen. Wir schlängeln uns langsam die Passstraße auf ca. 4000 Höhenmeter hoch. Endlich ist es geschafft, endlich sind wir auf Argentinischem Grund und Boden.

 


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